Folge 03: Taste the Waste
Shownotes
In dieser besonderen Folge sprechen Ernährungssoziologe Dr. Daniel Kofahl und ich mit Gemüse-Expertin Esther Kern über den Kult-Dokumentarfilm "Taste the Waste". Wir diskutieren, wie schockierend alltägliche Lebensmittelverschwendung wirklich ist, welche absurden Mechanismen dahinterstecken – und warum es uns trotzdem so schwerfällt, daran etwas zu ändern.
Gemeinsam fragen wir uns, was sich seit dem Film verändert hat, welche Lösungen wirklich funktionieren und wie Genuss, Wertschätzung und Nachhaltigkeit endlich zusammenfinden können. Ein inspirierender Austausch über Ressourcen, Verantwortung und die kleinen Aha-Momente im Alltag – für alle, die Lebensmittel neu denken wollen.
Takeaways
- Der Film "Taste the Waste" zeigt die Absurdität der Lebensmittelverschwendung.
- Schönheitsstandards führen zur Vernichtung von essbaren Lebensmitteln.
- Wertschätzung für Lebensmittel ist entscheidend.
- Kulturelle Unterschiede beeinflussen den Umgang mit Lebensmitteln.
- Initiativen wie "Too Good To Go" helfen gegen Lebensmittelverschwendung.
- Gesetzgebung kann einen positiven Einfluss auf die Lebensmittelrettung haben.
- Lebensmittelverschwendung im Privathaushalt ist ein großes Problem.
- Persönliche Aha-Momente können das Bewusstsein für Lebensmittelverschwendung schärfen.
- Die Gesellschaft muss umdenken und Lebensmittel als Ressourcen betrachten.
- Jeder kann einen Beitrag zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung leisten.
Taste the waste bei imdb Taste the waste bei wikipedia Taste the waste bei amzon
Taste the Waste
https://www.tastethewaste.com/
Valentin Thurn
https://de.wikipedia.org/wiki/Valentin_Thurn
Esther Kern
Dr. Daniel Kofahl
Etepetete
Too Good To Go
Tafel Deutschland
Foodsharing
Slow Food
Handelsklassen für Obst und Gemüse
https://de.wikipedia.org/wiki/Handelsklassenf%C3%BCrObstundGem%C3%BCse
Leave to Root (Buch von Esther Kern)
https://www.estherkern.com/buecher/
Frankreichs Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung
Knerzje (Bier aus Brotresten)
Mülltauchen für eine bessere Welt (Buch)
https://www.oekom.de/buch/muelltauchen-fuer-eine-bessere-welt-9783865818892
Mehr Infos zu Dr. Daniel Kofahl unter: https://www.apek-consult.de/team/dr-daniel-kofahl/ - Kontakt: Kofahl@apek-consult.de
Musik Intro/Outro von DianaProductionMusic über Pixabay
Transkript anzeigen
Johannes Quirin: herzlich willkommen zu einer ganz besonderen Folge von Film und Fressen. Nicht nur, dass wir heute einen der wichtigsten Dokumentarfilme des kulinarischen Kinos mit im Gepäck haben, sondern wir haben auch eine echte Expertin dazu mit an Bord. Wir schauen uns heute gemeinsam quasi oder lassen Revue passieren. Taste the Waste von Valentin Thurn. Einen Film, würde ich jetzt einfach mal sagen, der schockiert aufrüttelt und zum Handeln motiviert. Wie immer ist natürlich Dr. Daniel Kofall, Ernährungssoziologe aus Kassel, mit dabei und heute als Gästin ist es der Kern aus der Schweiz. Gemüse-Expertin und Spezialistin passend zum Thema für Lebensmittelverschwendung. Was man dagegen tun kann natürlich nicht, wie man es verschwenden kann. Herzlich willkommen liebe Esther.
Esther: Ja hallo und grüezi! Hallo zusammen!
Johannes Quirin: Ja, Daniel, du natürlich auch ein frohes Hallo nach Kassel. Wie ist es dir denn ergangen mit dem Film?
Daniel: Hallo Johannes, wie immer freue ich mich, aufzunehmen. Hallo Esther, ganz toll, dass wir uns in diesem Chat wiedersehen bei dieser Besprechung. Das ist eine große Ehre für mich und auch eine persönliche Freude. Wie ist es mir mit dem Film, den du uns ausgesucht hast, Johannes, du bist ja einer, öfters eine Dokumentation raussucht. Ich Dokumentation schon mal gesehen habe, weil sie ist ja wirklich ganz bekannt. Du sagst, es ist eine Wegweisendokumentation. Ich fand es sehr eindrücklich und konnte dabei überlegen kommen, was sich seit 2011 alles gewandelt hat und was sich seit dem Thema nicht verändert hat. Das eine gute und lohnenwerte Wahl von mir.
Johannes Quirin: Ja, dann vielleicht auch einfach mal noch ein, zwei Sätze zur Dokumentation von dir. Das ist ja wirklich auch etwas, was dich im Endeffekt in deiner Arbeit da ja auch so ein bisschen prägt.
Esther: Ja, unbedingt, er so nachhaltig ist. Das ist mir sehr wichtig mit all meinen Projekten. Und der Film ist schon einfach ein Meilenstein. Dass der das mal so gezeigt hat in dieser Klarheit, was da eigentlich hinter den Kulissen passiert. Das Ding ist einfach, man guckt den Film an und denkt, ach, nie mehr, nie mehr gehe ich da einkaufen. Man schafft es dann doch nicht. Und ich hoffe, wir finden heute noch etwas raus. Was du gesagt hast, Daniel, was hat sich verändert? Vielleicht auch zum Guten. Was kann man tun, dass sich vielleicht etwas verändert? Und ja, wo stehen wir immer wieder an und sagen, wir sind Menschen und schaffen es einfach nicht? Genau.
Johannes Quirin: Ja, danke schön. dann schauen wir doch einfach mal in eine Zusammenfassung des Films, auch bei einer Dokumentation, das ist natürlich immer etwas schwieriger als bei einem klassischen Film. Aber nichtsdestotrotz, damit auch jeder weiß, was wir uns da angeschaut haben, gerade wenn man den Film vielleicht überhaupt noch gar nicht kennt. Valentine Tunes Takes the Waste beginnt mit einem Schock. Zwei Container, Containerer, so muss ich sagen, sind im Containern im Endeffekt in Wien. Durchwühlen die Mülltonnen eines Supermarkts und finden perfekt essbare Lebensmittel. Brot, Obst, Gemüse, alles noch frisch. Und das ist der Einstieg in eine Reise die Welt, die zeigt, wie absurd unser Umgang mit Nahrung geworden ist. Der Film führt uns von deutschen Subterrmärkten zu japanischen Convenience Stores, von französischen Großmärkten zu kamerunischen Märkten. Überall dasselbe Bild. Berge von essbaren Lebensmitteln landen im Müll. Nicht weil sie schlecht sind, sondern... Weil sie nicht perfekt aussehen, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist oder weil einfach zu viel produziert wurde. Turn lässt Bauern zu Wort kommen, die erzählen, wie sie tonnenweise Gemüse unterpflügen müssen, weil es nicht den Schönheitsstandards der Supermärkte entspricht. Wir sehen Bäcker, die jeden Abend frisches Brot wegwerfen, weil die Regale bis zum Ladenschluss voll sein müssen. Supermarktmanager erklären, warum sie lieber zu viel bestellen als zu wenig. Leere Regale schrecken Kunden ab, das vielleicht schon mal so als kleines Sneak-Preview. Aber der Film zeigt auch Lösungen, Initiativen, die hässliches Gemüse verkaufen, Restaurants, die aus Resten kochen, Menschen, die bewusst einkaufen und verwerten. Und ja, die Botschaft ist eigentlich klar, jeder kann etwas ändern. Und da passt das ja auch ganz gut dazu, was du es da gerade eben gesagt hast. Ja, wir sind alles Menschen und haben natürlich immer irgendwie versuchen, da doch Etwas zu ändern und man merkt ja auch selbst wie teilweise das doch ja schwierig ist und man vielleicht doch etwas wegwirft Was man vielleicht dann besser doch nicht gekauft hätte ja also ich vielleicht auch noch dazu wie es mir gegangen ist ich kann mich auch tatsächlich ist ja schon etwas älter der film aber ich weiß dass ich ihn gesehen habe auch im Im spektrum von slow food wenn ich mich damals wenn ich mich da richtig dran erinnere Weil natürlich klar slow food sich auch mit diesem thema auseinander gesetzt hat und für mich war das schon schockierend und augenöffnend auch wenn man es durchaus selbst merkt im eigenen verhalten wie ich ja auch gesagt habe man wirft trotzdem immer mal hin und wieder etwas weg weil es dann doch ja zu lange irgendwo im kühlschrank vielleicht gelegen ist und ich finde der film zeigt halt einfach dass das system an vielen stellen hakt und das fand ich doch schon auch sehr erschreckend und gerade das, was du auch Daniel eben eingangs gesagt hast, was hat sich denn seitdem verändert, wenn ich da auch gerade einfach mal so bisschen mein Rädchen laufen lasse im Kopf. Einige Dinge vielleicht, aber vieles ist immer noch genauso. Und das finde ich dann so, wenn ich das jetzt noch mal so gesehen habe und auch gerade diesen Punkt von dir gehört habe, doch sehr traurig, dass wir da nicht weiter sind als Eben vor du hast gesagt 2011 heißt also vor 14 Jahren.
Esther: Ja.
Daniel: Ja, das ist eine interessante Frage, sich stelle. Das finde ich auch spannend, dass Ehe ist dabei, weil sie ja tatsächlich auch einen Ansatz hat, Dinge, die man bislang als überflüssig, als Abfall bewerten würde, weil wir es verlernt haben, wieder ins Spiel zurückbringt als Re-Innovation auf den Küchentisch. Aber klar, wir gleich auf jeden Fall auch darüber reden. Ich Soziologe immer ein bisschen professionell skeptisch. Und ich auch immer ein Und Und ich ich Und auch auch bisschen Und ein bisschen skeptisch. Und Und ich bisschen ich ja auch bisschen Und immer bisschen skeptisch. Und Und ich bin ich ich ja immer bisschen
Esther: Ja, genau. Ich mache meine Arbeit, du hast es gesagt, viel rund ⁓ Gemüse-Teile, die man üblicherweise vielleicht in Kompost entsorgt, dass man die eben auch essen kann. Das nenne ich Leaf to Root, das so das Nose to Tail fürs Gemüse. Und da geht es mir viel auch darum, ich glaube, es muss sich ja was in den Köpfen der Menschen verändern. Es geht mir dann nicht nur darum, dass man sagt, jetzt kannst du Karottenkraut essen, kannst du Radieschenblattsalat machen, sondern dass wir anfangen, umzudenken. Das fand ich in diesem Film auch spannend, dieser Bauer mit den Kartoffeln, der sagt, die Hälfte bleibt eigentlich auf dem Feld, aber die wäre genauso gut zum Essen wie der Rest. Das sind einfach zu dicke Kartoffeln oder Kartoffeln mit kleinen Flecken oder Risschen oder so. Ich glaube, geht es bei allem ums Gleiche, dass wir sagen, wir müssen Lebensmittel wieder als Lebensmittel anschauen und nicht als Objekte, im Regal liegen. Ich glaube, das geht es etwas, dass wir das verändern in unseren Köpfen.
Johannes Quirin: Der Schönheitswahn ist ja im Endeffekt das, was klassifiziert wird. ich meine, ist ja diese Szene, die fand ich auch noch mal jetzt, als ich ihn gesehen hab, fand ich das schon eigentlich total bescheuert, dass er sagt, die Hälfte fliegt halt schon mal raus, wird rausgefiltert durch die große Erntemaschine, landet auf dem Feld, bleibt liegen und dann wird auch noch mal sortiert alles, was eben nicht makellos ist, was nicht einer Handelsklasse, das ist ja diese Klassifizierung. Im Gemüsemarkt entspricht das darf nicht verkauft werden und er hat ja auch gesagt er hat ja sogar schon mal versucht Auch solche Dinge zu verkaufen und dann kam jemand entsprechend von Weiß jetzt gar nicht mehr welchem amt und hat dann gesagt ja was ist das denn für eine handelsklasse was was ist das wie bieten sie das an? Handelsklasse geht gar ja dann darf es nicht verkaufen und das finde ich natürlich schon sehr absurd wenn man dann überlegt dass Gemüse was eigentlich ja einen kleinen Macken hat oder vielleicht das berühmte Die berühmte Gurke die nicht gerade genug ist und so weiter und sofort die dann da aussortiert wird und entfernt wird klar gibt es mittlerweile tatsächlich ich glaube das gab es 2011 noch nicht so sehr da gab es zwar im film schon mal das thema das ist jetzt tatsächlich auch hässliches Gemüse verkauft haben aber das hat ja auch durchaus zugenommen ja Auch, glaube ich, eine Zeit lang gab es das durchaus auch bei Rewe oder Edeka in Deutschland, wenn ich es richtig weiß. Aber es ist trotzdem immer noch nicht in der Breitemasse angekommen. Klar, wenn ich irgendwie auf dem Markt bin, dann kaufe ich vielleicht auch noch mal anders ein als wenn ich im Supermarkt bin. Das ist alles verpackt, das suche ich mir nicht etwas raus. Ich gestehe, natürlich sucht man sich auch immer irgendwie die schönsten Äpfel raus oder ähnliches. Man muss dann auch selbst sehen, wie man damit umgeht. Aber es ist total absurd, wie du auch sagst, dass da einfach so viel liegen bleibt. Ich fand es interessant. Er hat ja nichts dagegen, dass man da auch aufsammelt. Und es ging ja auch einer übers Feld. Aber das ist halt nur einer gewesen. Und theoretisch hätten da sehr wahrscheinlich noch viele mehr volle Körper mit Kartoffeln wegtragen können. Was früher durchaus üblich war, dass man sammeln war, ist natürlich in unserer Überflussgesellschaft ... Das kann sich vielleicht jetzt auch nochmal ändern, aber in unserer Überflussgesellschaft, da geht keiner hin, was auf dem Feld liegt, das muss ja irgendwie schlecht sein. Und dann kaufe ich das lieber im Supermarkt. Also ich war da auch sehr überrascht, nochmal das zu sehen, was man sich eigentlich auch so denkt, wenn man durch den Supermarkt geht. Das volle Angebot und eigentlich alles sehr schön, sehr gerade und nicht krumm und so weiter und so fort. Und alles, was ja im Supermarkt schon irgendwie Ja, leicht fleckig wird, aussortiert und da geht es ja dann genauso weiter wie dann schon auf dem Feld.
Esther: Ich finde etwas voran noch wichtig, weisst du was er gesagt hat, ist, dass es nicht nur ums Geld und die Menge der Ernte sondern auch ums Herz, ums Herz von Bauern, dass er sagt, er muss da Dinge zurücklassen auf dem Feld, er gerne ernten würde. Und das erlebe ich viel, ich bin viel bei Bäuerinnen und Bauern auf dem Feld und sehe, es geht wirklich in allem etwas die Wertschätzung. Also dass man einfach sagt, Das ist gewachsen, das hat man gehegt und gepflegt. Das soll jetzt doch auch geschätzt werden von den Konsumentinnen und Konsumenten. Ich war jetzt für ein neues Buch, das kommt Anfang nächstes Jahr raus, bei einem Bauern in der Schweiz, in den Bergen aus dem Bündnerland. Der macht Kartoffeln, ganz viele Sorten, irgendwie 30, so und das rum. Der hat so eine grosse Liebe zu den Lebensmitteln. Der hat jetzt ein... zum Beispiel einen neuen Ernten, wo auch ganz kleinen Kartöpfchen drin hängen bleiben. Und das macht er nicht wegen dem Geld, weil der Stundenlohn, der ist massiv schlecht, weil die kleinen Kartöpfchen, da musst du lange sortieren, bis du ein Kilo zusammen hast. Aber er hat sich jetzt zum Beispiel eine Kundschaft aufgebaut, die bereit ist, dafür zu zahlen, die das sogar schätzt und sagt ja zum Raclette, wie in der Schweiz, oder? Diese kleinen Kartöcheln dazu, das ist eigentlich noch wertvoller als die grossen.
Daniel: Das finde ich übrigens ein interessanter Aspekt, dass man bei bestimmten Dingen, die zeitweise als Abfall gelten oder als suboptimales Essen oder, wie Johannes eben hässliche Lebensspiel genannt, dass die an einem bestimmten Punkt entdeckt werden als besonders wertvolle Komponenten. Das löst das Problem natürlich überhaupt nicht. Mich interessiert dabei eher, dass man aus etwas, was bisher Abfall ist, ein hochpreisiges Produkt auf einmal macht. Das haben wir zum Beispiel im anderen Phänomen auch. Es gab dieses Bier aus Frankfurt vom Daniel Antes, das Knärzje. Der hat irgendwann entdeckt, dass man aus Brotresten, aus diesem Knärzje, anderes Wort, wir nennen das mal Knus, oder das Brotendstück ist der fachgerechte Ausdruck, dass man daraus Bier brauen kann. und hat das dann auch ziemlich erfolgreich gemacht, meiner Meinung nach, und auch sehr gut vermarktet, auch mit seiner Persönlichkeit, ist inzwischen, glaube ich, wieder vom Markt runtergenommen worden. Aber das war dann aber auch so ein Phänomen, so ein Produkt, das, wo man eben sagen kann, es wurde ja nicht nur die Lebensmittel gerettet, sondern es wurde dann ein premium Produkt daraus gemacht. Also eins, wo die Flasche Bier ja deutlich mehr gekostet hat als die anderen gängigen Durchschnittspreise für Bier sind. also ich hier finde eigentlich, In dem Moment ist ein paradoxes Phänomen statt. Etwas, das als Abfall gegrillt wird, wird dadurch etwas wertvoller. Weil es einen Anschluss findet, weil es praktisch sind wie Kartoffeln. Aber zum anderen auch, weil es durch die Rettung einen ideellen Mehrwert bekommt. Hier muss man sich überlegen, bekämpft man das Phänomen der Lebensmittelverschwendung oder entdeckt man nicht einfach etwas, was man bisher als Ressource nicht verwenden konnte, als neue Ressource für ein neues Produkt? Das dem normalen kreislaufigen wieder zu. Ohne die Gesamtbilanz im Großbritannien muss man realistisch sagen, das zu verändern.
Esther: Ich glaube, ist sowieso wichtig, dass wir nicht von Abfall sprechen, sondern von Ressourcen, wie du das gesagt hast. Auch das ist etwas, wo wir umdenken müssen und sagen müssen, es geht hier nicht Abfall. Wenn du über Abfall sprichst, dann macht das nicht so Lust zum Essen. Ich glaube, ist ein wichtiger Punkt, dass wir da auch dran schaffen.
Johannes Quirin: Das denke ich auch, dass genau das eben irgendwo dann auch anders kommuniziert wird. Warum fällt das durchs System? Und es ist ja trotzdem genauso gut. Und wenn man da mal einen Blick drauf wirft, also Ede Pite Ede war ja ein Unternehmen, das das erste, da mit diesem hässlichen Gemüse, mit Gemüse, das aus der Norm fällt, dann auch tatsächlich Kisten gepackt hat und man hat die dann bekommen, klar. war die Karotte oder die Kartoffel oder was auch immer drin war nicht immer ganz das, was man sich vielleicht dann so im Supermarkt drunter vorstellt, aber hat genauso gut geschmeckt und vielleicht sogar noch manchmal ein Stückchen besser, wer weiß. Das ist ja das, dass plötzlich dadurch, dass so was ganz anders was Besonderes ist, auch plötzlich der Geschmack vielleicht nochmal ganz anders zur Geltung kommt. Aber das Thema Ressourcen steckt natürlich in diesem gesamten Film darin. die Welt reist und dort eigentlich überall mehr oder weniger diese Lebensmittelverschwendung und Vernichtung sieht. der zweite Punkt, wenn wir jetzt mal so vom Bauern weggehen und von dem, was mir da ganz besonders in Erinnerung geblieben ist, da kann ich mich gar nicht mehr so dran erinnern, aus beim ersten Sehen, sondern jetzt beim zweiten Sehen ist mir das sehr stark einfach aufgefallen, das Thema in Japan, dass die dort Wir kennen ja ein Mindesthaltbarkeitsdatum, da hat ja schon jeder seine Probleme. Wobei ich auch immer sage, der Joghurt oder die Butter oder was auch immer weiß ja nicht, dass er ab sofort schlecht werden soll, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht ist. Aber das war mir wirklich gar nicht mehr so präsent, dass die Japaner das dann tatsächlich nochmal auf die Spitze treiben und Stunden auf dieses Etikett drauf schreiben, damit auch jeder weiß, wie frisch das ganze Zeug ist, was da... Im supermarkt liegt und sobald es irgendwie nur in die nähe des verderbens kommt gut bei so sashimi fisch oder ähnliches könnte ich es noch nachvollziehen aber meinen der verfällt auch nicht innerhalb von wenigen stunden nicht desto trotz schmeißen sie dann das ganze zeug da wieder weg und Da sitzt ja einer der das alles auspackt was mühevoll vorher eingepackt und portioniert worden ist und trennt wieder diese plastikverpackung von dem Lebensmittel und sortiert das fleißig. Und dann wird er ja auch gefragt, ob er denn schon mal die Idee hatte, was er da macht, ob das so sinnig ist und ob das dann tatsächlich da alles verdorben ist. Und sagt er nee. Und dann in der nächsten Frage so, ja, warum er sich denn oder hat er dann schon mal dran gedacht, so was mit nach Hause zu nehmen? Und da hat er ja gesagt, nee, nee, nee, das ist ja, das ist ja jetzt schon quasi alt. Und deswegen kann er das ja nicht mitnehmen. Also ist nicht mehr frisch. Und da fand ich natürlich auch sehr spannend und ich denke, das ist natürlich so ein Thema, was Daniel sicherlich auch ein bisschen umgetrieben hat. Die Soziologie, wie das in unterschiedlichen Ländern auch gesehen wird, was ist jetzt da gut und was ist da schlecht und wie sieht da vielleicht auch eben so ein Mindesthaltbarkeitsdatum der Frische aus?
Daniel: Ich diese kulturelle Abhängigkeit als frisch, als brauchbar oder als Abfall oder als Ressource definieren. Das finde ich auch eine spannende Sache. Es gibt auch Abfall in der Definition. Man kann natürlich in bestimmten Konditionen eine Ressource machen oder kann sagen, dass dies noch haltbar Oder an der Grenze, in einem Zwielichtbereich. Wir leben in vielen Kulturen, global gesehen, einer Zeit, in der sehr viel über Sauberkeit, über Hygiene diskutiert wird. Es spielt in der hochmodernen Welt eine ganz wichtige Rolle. Dass wir mit Schmutz nicht in Verbindung kommen. Nicht nur bei Lebensmitteln, sondern auch anderen Bereichen. Man kann sich auch vorstellen, wenn man jemandem teilsitzt, der Schweiß riecht. Manchmal trifft man am Bahnhof Leute, die riechen nach Urin. sind Sachen, wo den meisten Menschen in unseren hochmodernen Industrieländern, denen wird dabei schon unangenehm zumute. In manchen Ländern ist der Schweißgeruch, einfach Menschen schwitzen, Menschen haben diesen Geruch, der gehört dazu. Vor 500 Jahren hätte sich auch niemand wegen Urin gerucht bei jemandem. so großartig aufgeregt, bis in die Fürstenhöfe hinaus. Hygiene, was ist, da mal jemand, wir kennen das von Norbert Elias, der ganz schön geschrieben hat, im Prozess der Zivilisation, der beschreibt, wie im Mittelalter, Europäischen, die Leute ins Tischtuch geschneuzt haben, am Hof. Also nicht irgendwelche Unterschichten, du sollst ins Tischtuch schnäuzen, du sollst eigentlich nicht in die Finger schnäuzen, wenn du damit noch in die gemeinsame Platte fasst. Da gab es extra Regeln dann irgendwann, die das aufgehoben haben. Das ist das nicht-affektkontrollierte Verständnis, wo der Mensch so herkommt. Jetzt sind wir dahin erzogen worden, dauernd auf Hygiene zu achten. Etwas soll nicht verfallen. Das kann sich so zuspitzen, dass wir Angst haben, uns permanent zu vergiften. Dass wir sagen, das ist nichts mehr, was wir uns zuführen wollen. Das treibt gewisse Stierglüten. Ich will nicht auf die Japaner abschielen, die da auch teilweise sehr genau sind. Wobei die japanische Kultur auch stark auf Sauberkeit achtet. Da sind die Europäer, obwohl auch schon ziemlich nah dran, noch bisschen verheer. Aber es gibt ja so Stilblüten wie das auf einem Salz, das seit Jahrtausenden oder Jahrmillionen, weiß ich jetzt gar nicht genau, irgendwelchen Bergen gelagert hat, dass auf der Packung da ein Mindesthaltbarkeitsdatum draufsteht, dass das irgendwie in zwei Jahren dann abgelaufen ist. das sind halt bestimmte rechtliche Vorschriften, die dann sich durchsetzen, Menschen vor Kontamination zu schützen. hier spielt... Ich mit dem ästhetischen Bewusstsein ganz viel rein, wie wir Lebensmittel wahrnehmen. Aber das bezieht sich eben nicht nur auf Lebensmittel, sondern das bezieht sich auf unser gesamtes Leben. Also auch mit dem Suboptimal Food. also nicht auf uns individuell bezogen, aber jetzt mal zugespitzt, warum soll ich denn die Gurke nehmen oder einen Apfel, der nicht hübsch aussieht, wenn ich auch einen schöneren haben kann? Ich würde ja auch bei der Partnerwahl nicht sagen, ich liebe zwar... Susi, die ist zauberhofft. Aber Kunigunde ist nicht ganz so hübsch. Aber die muss ja auch jemand nehmen. Also dann nehme ich eben Kunigunde. Man muss sie ja nehmen. Also würden wir ja auch nicht argumentieren. Sondern wir würden immer sagen, unser Lebensstil, unsere Kultur geht dahin, wir wollen immer das Optimale haben. Das Beste haben, das Schönste haben. Und dann zu sagen, ausgebend beim Essen soll man sich an irgendwas ranwagen, was nicht so schön aussieht, was auch noch unpraktisch ist. Jeder kennt das, wenn man das mal ausprobiert mit den Möhren, die eben nicht so glatt sind wie die Standardmöhren. Du musst halt dauernd drum herum stellen, du brauchst länger. Die kleinen Kartoffeln brauchen länger als die großen. Das sind alles so Überlegungen, nicht zu unserer Alltagskultur passen, wenn man sagt, du sollst jetzt auf das suboptimal Food übergehen. Und deswegen glaube ich, ist dieser einfache Switch jetzt, die Erkenntnis, jetzt nimm das doch mal, zum praktischen Handeln, ist relativ schwierig.
Esther: Ja, glaube, da können wir ansetzen, mit was so Geschichten erzählen. Wo man halt sagt, ja weshalb werden die Äpfel alle genau gleich gross und genau gleiche Farbe und makellos. Ja, dass es da vielleicht auch dann Dinge dran hat, die man gar nicht essen möchte. Und das muss man halt den Leuten immer wieder erzählen, sagen ja, wenn die natürlich wachsen, dann sind die vielleicht grösser, kleiner, haben mal einen Fleck, irgendwie eine Delle. sind nicht alle gleichfarbig. Ich weiss nicht, wie du das siehst, Daniel, aber vielleicht könnte das auch über den gesundheitlichen Aspekt laufen. Ich glaube, über den Bezug zu den Produzentinnen, wo man sagt, das ist eine Wertschätzung für die, wenn man so etwas kauft. Und dass man sich mehr bewusst wird, dass wir Teil sind von einem ganzen System. Die Natur, der Boden, unsere Verdauung, hängt ja alles so weit zusammen, irgendwie, wir als Menschen. Und dass wir uns wieder mehr als Teil von diesem System sehen. Und eben nicht, wie du sagst, so dieses Kleine, und möglichst jeder ist für sich und jeder ist sauber und so, sondern dass wir merken, hey, wir sind Teil vom Ganzen.
Daniel: Ich stimme dir absolut zu, dass es Geschichten laufen Es muss eine Erzählung stattgehen, in der man das Gefühl hat, macht für einen Sinn, zu tun. Ich glaube nicht, dass diese Erzählung die Gesundheitserzählung ist. Ich kann mich mit sehr sauberen, ordentlichen Möhren und Gurken hochgradig gesund ernähren. Das sehe ich nicht, dass wir deswegen in eine gesundheitliche Problematik reinkommen, was unseren Körper anbelangt. Aber die Erzählung müsste sein, dass es eine Verantwortung für das Gesamtsystem man übernehmen muss. Wo man etwas einbringen kann. Deswegen nimmt man den Mehraufwand zu sich. Wobei man erklären muss, dass man das individuell macht und unsicher ist, den Gesamteffekt anbelangt. Es müsste dahingehen, dass man starke Fokussierung auf die Sauberkeit Die ist, oder das Gradliniege, ist nicht das Wichtigste. Sie ist auf jeden nicht so spannend. Das Spannende sind eben vielleicht dann eben die Produkte, die auch weitere Geschichten erzählen. Wie der Landwirt, der sich da extra viel Mühe gibt. eben, dass man sagt, da steckt vielleicht eine bestimmte Form der Vielfalt drin. Oder eben, wie bei dir in deinen Projekten, dass man sagt, man kann eben Dinge, die man bisher als unbrauchbar gesehen hat. Das fand ich ja bei deinem Projekt, auch schon im ersten Buch, das... Das ist zwingend Abfall. Man kann das nur nicht als Ressource Es ist eine Ergänzung unseres Portfolios. Das bereichert den Speiseplan. Wir können dann noch Karottenkraut Mais mit reinmachen. Papaya-Kerne erinnere ich mich auch noch dran. Selbst für Hausfrauen, die 40 Jahre lang Koch-Erfahrung hatten, wussten sie nicht, dass man Korottenkraut verkochen kann. Das war eine Bereicherung, und zwar nicht auf gesundheitlicher Ebene, sondern auf geschmacklicher Eiserfahrungsebene plus die Verantwortungsgeschichte, die da vielleicht mit reinspielt. Oder was sagst du, Johannes, zu der Genussebene?
Johannes Quirin: Ich denke ja, Nee, das ist ja sicherlich immer ein Genuss. Das sind halt Dinge, man eben gar nicht so probiert. Deswegen, Esther hat das ja auch trefflich formuliert. Im Endeffekt Nose to Tail für Gemüse. Bei Nose to Tail ist es halt gelernter. und vielleicht, und vieles war auch früher gelernter, dass man das Gemüse komplett verwertet hat. Klar, das Karottengrün ist vielleicht eher mal zum Kaninchen in den Stall gewandert oder sonst was. als dass es dann tatsächlich auch noch mal irgendwo verarbeitet worden ist. Aber in der heutigen Zeit, sag ich mal so, ist es eben ja auch was Besonderes zu sagen. Ja, was ist das für ein Pesto? Das habe ich aus dem Karottengrün gemacht. Ach was, So oder aus dem Radieschengrün oder ähnliches. Und deswegen denke ich, es ist einfach auch einiges wieder Erlernen, das, was man vielleicht schon früher kannte, das sind ja auch die Dinge, Esther da teilweise in ihrem ersten Buch ausgegraben hat, was früher alles verwertet worden ist, was und wie verwertet worden ist, und dann natürlich einfach auch das zu transportieren und zu zeigen, du kannst A, irgendwie eine krumme Karotte nehmen mit ihren Krühen, die vielleicht beim Bio-Bauern noch gewachsen ist, und deswegen ist sie nicht so gerade, und trotzdem schmeckt die richtig gut, und dann kannst du auch noch was mit diesem Karottenkrün machen. Ja, die Menschen einfach an die Hand zu nehmen. Und zu versuchen, Einfaste in den Alltag zu integrieren. ist ja das, was für mich am einfachsten und plausibelsten war, die Gemüsebrühe aus den Abschnitten des Gemüses, was man ja normalerweise schält. Wenn man es denn schält. Vieles verwerte ich auch mit Schale, aber wenn ich es schäle, dann sammle ich die Schalen. Das war mir dann das erste Mal. Es ist ja eigentlich so simpel, aber das war mir das erste Mal. In Esthers Buch, im Esthers ersten Buch, war das mir so bewusst geworden. Und dann hab ich seitdem, wenn ich viel Gemüse verarbeite, sammle ich diese Schalen in der Gefriertruhe und dann wird dann entsprechende Gemüsebrühe draus gekocht und die schmeckt auch. Das ist ja für viele vielleicht das Verwunderliche. Wobei, wenn man mal guckt, der Schale steckt natürlich auch oftmals das meiste drin. Oder auch in den Stängeln. Wenn man Stängel wegschmeißt von Kräutern, da steckt oftmals der stärkste Geschmack drin. jetzt würde mich natürlich mal interessieren, Esther, du bist ja auch mit Workshops unterwegs und versuchst ja auch diese Thematik einfach zu verbreiten. Wie sind denn die Aha-Momente bei deinen Teilnehmerinnen und Teilnehmern? Sind die ähnlich wie bei mir?
Esther: Zuerst mal sehr schön, du so Aha-Momente hattest. Das freut mich sehr. Ich merke bei Teilnehmerinnen und Teilnehmern oft doch noch eine Zurückhaltung. Das sind ja Leute, zu mir in die Kurse kommen, wo es eben Leaf to Root geht. Die haben schon ein gewisses Interesse und trotzdem haben sich viele einfach noch gar nicht getraut, mal in einen Karottenkraut zu beißen. Oder... dann doch nie das Radieschenblatt mal zwischen die Zähne genommen. Und da merke ich schon, dass wir einfach eben in der heutigen Zeit so dieses... Wir brauchen eigentlich immer jemanden so extern, der uns sagt, das ist gut, das kann man essen, so tut man es zubereiten und so weiter. Also auch das, was wir eben im Film gesehen haben, da geht es dann eher Halbbarkeitsdaten, aber wir brauchen oft jemanden so von aussen. Und ja, da merke ich auch bei meinen Teilnehmerinnen eine Zurückhaltung. Das Aha-Erlebnis ist dann schon meistens, ich habe auch eigentlich immer etwas dabei zum Essen, weil es einfach dann auch funktioniert, dass sie dann drauf beißen und sagen, aha, eine Karottenkraut schmeckt ein bisschen wie Petersilie oder wie Sellerie, ach so, das sind verwandte Pflanzen und dass ich dann immer auch was serviere, was man daraus zubereiten kann und das nehmen dann viele tatsächlich auch mit nach Hause und probieren es zu Hause aus. Ich glaube, ist schon viel erreicht, wenn es Freude macht, wenn es ein Aha-Erlebnis gibt und wenn man sich einfach mal traut, die Dinge mal etwas anders zu betrachten, wenn man wieder zu Hause ist. Genau.
Johannes Quirin: Ja, wenn man so dieses Thema Nahrungsmittelverschwendung anschaut und sieht, was es mittlerweile auch gibt, weil du Daniel ja auch gesagt hast, was hat sich denn so seit diesem Film geändert? Wie gesagt, Edepätete gab es da, glaube ich, wenn ich es richtig abgespeichert habe schon. Aber mittlerweile gibt es natürlich auch Too Good To Go. Ja, also im Endeffekt so eine App, die Lebensmittel rettet. Zwar für kleines Geld, kann man sich da noch einen Riesen beim Bäcker oder bei anderen teilnehmenden Lebensmittelhändlern mitnehmen. Es gibt natürlich auch die Tafel in Deutschland, die durch Lebensmittel, abgelaufen oder kurz vorm Ablauf sind, weil es ist ja nicht immer nur das, was abläuft, es wird ja schon auch schon, Lebensmittel werden ja schon rausgenommen, die kurz vorm Ablauf Datum sind und das geht ja auch mittlerweile. in sehr großer Menge Richtung Tafel Deutschland, wo dann auch entsprechende Menschen mit versorgt werden. Also man merkt schon, dass dort auch, wenn dann auch Unternehmen auf die Idee kommen wie To Good To Go, die App oder Food Sharing als Verein, als Plattform, da entsteht das ja da durchaus auch eine Nachfrage beziehungsweise irgendwo auch ein Faktor entstanden ist. In Deutschland an sich diese Gesetzesgebung, es in anderen Ländern durchaus vorhanden ist, gibt es ja leider noch nicht. ich habe jetzt da mal auch so bisschen geguckt. Frankreich hat ja ein Gesetz, was Supermärkte zur Spende statt zur Entsorgung verpflichtet. Das hat man ja da auch ansatzweise im Film gesehen, wenn ich mich richtig erinnere an den französischsprachigen Supermarkt. Und da muss man natürlich auch sagen, okay, das scheint ja zu funktionieren. Warum gibt es so etwas in Deutschland eben auch nicht? und klar, das Thema Spenden ist natürlich immer dann so was. Die Tabel Deutschland ist ja manchmal schon so voll, dass sie gar nicht mehr weiß, wohin damit. Teilweise, nicht immer, aber teilweise. Und das ist ja schon auch sehr gut, dass das verwertet wird. Aber es ist ja natürlich auch so der Punkt, wo ich sage, okay, was kann man dann schon davor machen, das vielleicht weniger. produziert wird. Und ich weiß gar nicht, wie es in der Schweiz ist. Gibt es da auch solche Initiativen wie die Tafel Deutschland, die sozial schwachen Menschen dann Einkauf ermöglicht?
Esther: Das kennen wir natürlich auch, auch immer mehr. Es hat sicher zugenommen, weil man eben auch sagt, dass es Ressourcen die wir nutzen können. Es gibt in der Schweiz auch politisch sehr starke Bemühungen, dass man die Lebensmittelabfälle halbiert, im Vergleich zu 2017 bis 2030. Das ist so ein Ziel, der Bund gesetzt hat. Da haben sich jetzt auch ganz viele Firmen, also glaube es sind 30 oder 40 grosse, also die Supermärkte, die Zwischenhändler, angehängt und das mit unterschrieben. Deshalb passiert da jetzt auch was. Ich glaube ehrlich gesagt auch, dass es auch die Politik eben auch... Dafür es auch Gesetze, wie du gesagt hast, Frankreich. Sonst hast du das Problem, dass die Supermärkte konkurrenzfähig sein Es ist uns allen klar, dass, wenn die Regale nicht voll sind, weniger gekauft Da beginnt nicht ein Einzelner. Ich glaube, da brauchen wir genau solche Gesetze, die diese Vorschriften machen.
Johannes Quirin: Ich frag mich halt auch immer... Ja.
Esther: ⁓
Daniel: Das mit den Tafeln hat sich geändert. Wir wissen, dass die Tafeln gegenwärtig, oder in der Schweiz, ein euphemistisch, dass die Tafeln unter Lebensschöpfungspendenknappheit leiden. Und zwar aus zwei Gründen. Das eine ist, dass mehr und mehr überlaufen werden, dass die Nachfrage immer größer wird. ⁓ auch mit Hittenhanger, das ist nicht unser Thema heute in diesem Film, aber versteckter Hunger auch Industriegesellschaft, es gibt immer mehr Leute, die mit ihrem Einkommen, mit ihrem Budget nicht zurechtkommen und da auflaufen. zum anderen, da muss man sagen, das doch funktioniert, auch in Deutschland ganz stark, dass der Handel stärker darauf achtet, jetzt auch im Zuge mit digitalisierten Prozessen Lebensmittelverschwendung einzusparen und dann eben auch diese neuen Formen, die hat es auch erwähnt, diese Lebensmittel weiter zu spenden oder weiter zu geben oder irgendwelche Sharing-Apps dazu haben. da würde ich sagen, klar, das Ziel wird verfehlt. ist auch, wenn meine Erkenntnis stand, dass man sagt, bis 2030 wird man die Lebensmittelverschwendung in Europa halbieren. Das wird wohl nicht klappen. Aber zumindest der Handel optimiert da ziemlich nach. Und das wurde ja in dem Bericht auch einmal an einer Stelle gesagt. Es ist natürlich auch ein betriebswirtschaftlicher Verlust, man diese Lebensmittel nicht verkauft, sondern wenn man wegwerfen muss. Aber der betriebswirtschaftliche Verlust entsteht eigentlich noch stärker dadurch, dass die Regale, die leer sind, führen, dass sich dann Kunden beschweren. Wenn man so plant, dass am Samstagabend das Regal nicht voll ist, dann geben die Kunden zum Konkurrenzanbieter hin. Weil da finden sie noch alles. Oder kommt schlechte BW-Wertung auf Google. Ich habe meine Bananen nicht mehr gekriegt, Samstagabend, 22.15 Uhr. waren nur noch sechs Grüne da. Es geht ja um ... Das ist unsere Marktwirtschaft. Das ist ein wichtiger Punkt. Man kommt nicht raus, dann es darum, Bilanz hinzubekommen. Dann ist es günstiger, wegzuwerfen, statt sie vorzustellen. Der letzte Punkt, auf den ich hinweisen will, bleibt ja weiterhin, wenn ich richtig von mir bin, die Lebensverschwendung im Privathaushalt. Wir schaffen so ein Angebot für die Form, wie wir leben, dass das zu Hause verwertet wird. Man kauft es ein und schafft es nicht, das Züm zu verwerten. Dann landet es im privaten Müll. Die wenigsten machen diese Suppen raus, die du beschrieben hast. dann läuft das Wasser im Mund zusammen, wenn du es sagst. Da würde man es auch gleich wieder machen. Aber muss für mich selber auch sagen, das ich auch nicht. Ich überlege, wie praktikabel es für meinen Haushalt so wäre. Das ist ein großes Dilemma, vor dem wir noch stehen bei der Behandlung von Lebensabfällen.
Johannes Quirin: Ja, in Deutschland sind es ungefähr, glaube ich, irgendwas sechs Millionen Tonnen, die da jährlich in Haushalten im Müll landen. Also das ist natürlich vieles. Obst, Gemüse ist natürlich da weit vorne, ja, weil was angefault ist, wird dann gleich irgendwie weggeschmissen. Oder dann halt natürlich irgendwo auch Fleisch. Aber das kommt dann doch etwas weiter hinten. So statistikmäßig sind das ungefähr so irgendwie 235 Euro oder so was pro Jahr, die ein Haushalt da auch verschwendet, wegwirft. Vielleicht sogar noch mehr. Kommt immer sehr wahrscheinlich auch darauf an, was man da so einkauft und wegwirft. diese Sensibilisierung, das ist sicherlich ein großer Punkt, um einfach zu sagen, wie kann ich da anders einkaufen. Man weiß es ja, wie Ich hab's ja eingangs auch gesagt, man muss sich dann nur selbst an die Nase fassen und immer mal sehen, okay, was kauft man ein, warum hat man es eingekauft und dann nachher liegt es da und vielleicht gammelt es dann und dann wirft man es doch irgendwie weg, weil man es doch nicht gegessen hat. Und das ist natürlich dann schon so die Frage, ob das so diese einfachen Tricks sind, die immer wieder hört, ja, nicht hungrig einkaufen gehen und was weiß ich. Aber manchmal ist es halt eine Kombination aus meinem eigenen Erfahrungen heraus. Aus Zeit, Faulheit, Bequemlichkeit vielleicht. Und es ist dann halt, weil du auch gerade gesagt hast, wie soll man so was umsetzen. Es ist ein Antrainieren, würde ich einfach sagen. tatsächlich jetzt, deswegen habe ich auch gesagt, das ist wirklich das Einfachste aus dem Gemüseabschluss, wenn ich denn frisch koche. Da fängt es ja natürlich an. ich frisch mit Gemüse koche, dann habe ich diese Abschnitte, weil ich ja sowieso mein Gemüse schäle. Und bevor ich dann halt einen Abfall werfe, wenn ich eine, da muss ich natürlich auch sagen, okay, wenn ich eine Gefrierschrankmöglichkeit habe, dann sammle ich das dort irgendwie in einem Beutel oder in einer Schüssel oder wie auch immer und stelle es halt in den Gefrierschrank rein. Oder aber... Klar, in einem Einpersonenhaushalt dauert das etwas. Wenn ich mehrere Personen bin, kann ich vielleicht sogar nach einem Abendessen schon aus den Schalen irgendwie was ansetzen. Aber das ist tatsächlich etwas, wenn ich weiß, okay, jetzt hab ich genug, dann nimmt man das raus, wirft's einfach in den Topf mit Wasser, legt vielleicht noch ein Lorbeerblatt dazu oder sonst was und kocht das, während man vielleicht sein Abendessen sowieso zubereitet. Und dann ist es fertig. Dann kann ich's entweder A, wieder einfrieren, oder B, vielleicht sogar direkt konsumieren, oder C, dann halt einfach noch besser in ein Schraubglas oder eine Flasche zudrehen und dann ist das sogar, weil es heiß war, auch noch mal entsprechend bisschen haltbarer. Also das sind so meine Erfahrungen. Ich mache es tatsächlich auch nicht immer, was aber daran einfach auch liegt, dass ich dann tatsächlich irgendwie viel unterwegs bin und zu wenig Gemüse dann auch zu Hause habe. Ich könnte es zwar sammeln, ja. Aber da war ich jetzt tatsächlich auch etwas nachlässiger. Jetzt mit Estes neuem Buch habe ich tatsächlich diesen Kick auch wieder gekriegt. Weil manchmal sind es ja solche Impulse, die es braucht. Und deswegen würde ich mir ja auch wünschen, dass diese Impulse durchaus deutlicher in der Gesellschaft. Dieser Film hat damals auch dazu beigetragen, dass man intensiv darüber diskutiert hat. Das Thema Containern, was ja in Deutschland ist ja immer noch verboten. Aber es wird tatsächlich jetzt auch aktiver angegangen, dass man Lebensmittel nicht wegwirft, den Container zusperrt und so weiter und so fort, was ja absoluter Quatsch ist. Sondern dieser Film hat das ja in Bewegung gesetzt, dass dadurch diskutiert worden ist, was passiert. Und so würde ich mir halt regelmäßig tatsächlich solche Impulse wünschen. Wie gesagt, ich im Kleinen habe diesen Impuls da einfach auch nochmal bekommen. Ich dann auch gleich einmal geguckt, ich habe da Kräuter. Man hat immer Kräuter, wenn man sie kauft, sind es immer mehrere. Und irgendwann werden sie Lommelig. Also macht man was draus. In dem Fall habe ich etwas gemacht. War ein bisschen Kräuteröl. Man hätte natürlich auch ein Pesto draus machen können oder ähnliches. Und dann verbraucht man tatsächlich auch die Stiele. Das ist dann so etwas gewesen, wo ich dachte, das stimmt eigentlich. Ich muss ein... Ich muss einfach da wieder öfter dran denken, entweder kaufe ich so einen, dass ich wenig wegwerfe oder eben frühzeitig zu überlegen, was kann ich draus machen. Ja, und solche Impulse wie damals dieser Film würde ich mir tatsächlich viel stärker wünschen und einfach aus eine Plattform in irgendeiner Art Weise kreieren, dass man da sensibilisiert wird, dass man auch nicht. Ich weiß es natürlich selbst. Natürlich guckt man beim Bäcker ins Regal und denkt, Was ist da los? Warum liegt da nichts mehr? Aber eigentlich brauche ich das. Gleich ist es ja beim Metzger. Brauche ich das? Nein, ich brauche es eigentlich nicht. wenn ich weiß, es gibt halt montags nur das Brot, dann kaufe ich mir das halt montags. Oder wenn ich lieber das andere Brot habe und der Bäcker, der genauso bäckt, der hat es halt nur mittwochs, dann gehe ich halt mittwochs zum Bäcker und kaufe mir dieses Brot, wenn ich mir nicht selbst backe. Das sind ja so Dinge, die früher auch üblich waren. Diese Überflussgesellschaft hat Einzug gehalten und sie ist halt auch nicht mehr zu stoppen. Also nicht richtig zu stoppen, nur teilweise. Ich merke es ja mit Bäckern, mit denen ich da gesprochen habe, Sauerteigbäcker, die bewusst nur ein kleines Sortiment backen und alle sind zufrieden, rennen denen die Bude ein, weil die Qualität stimmt und vermissen da gar nicht irgendwie das Achte, was weiß ich. Kornbrot das eigene Namen hat und dass es aber in jeder Filiale bei irgend allen Bäckern gibt weil es halt irgendwo eine Fertigmischung ist. Sind wir doch mal ehrlich so und das ist halt irgendwo diese Sensibilisierung und dass man auch tatsächlich selbst sich immer mal wieder hinterfragt was mache ich denn da überhaupt in diesem Konsumrausch? Konsumrausch Lebensmittel so
Esther: Da bin ich voll bei dir. Und übrigens Konsumrausch. Ich für meinen Teil hätte gerne viel kleinere Einkaufsläden. So wie du sagst, vier Brote zur Auswahl. Das würde mein Leben sehr vereinfachen. Und ich glaube, auch die Freude haben, wie du gesagt hast. Am Montag gibt es ein Brot und am Mittwoch das andere. Ich glaube, eigentlich Man es auch von der positiven Seite sehen und man kann sich wieder auf etwas freuen. Oder man hat wieder mal das und das Brot erwischt. Diese Woche hat es das nicht mehr gehabt. Ich glaube, eigentlich wäre es eine Bereicherung, eine gewisse Verknappung von Waren, dass man sich einfach wieder mehr freuen kann und dann tut man noch etwas Gutes. Ein Schweizer Food-Safe-Experte oder Food-Waste-Experte misst schon seit Jahren, Jahrzehnten. Er macht auch Forschung auf dem Thema Food-Waste. Und da geht es eben auch darum, mit Food-Safe kann man sich selber eine Freude machen. Da kann man Geld sparen. Und kann wirklich auch volkswirtschaftlich Geld, wirklich massiv Geld einsparen. Das war so, das eigentlich so ganz viele positive Effekte, das Foodsafe, und dass wir daran eben wieder eine Freude haben und sagen können, ja, wir machen es zusammen. Und ja, so die kleinen Freuden im Alltag geniessen in Sachen Foodsafe.
Johannes Quirin: Ja, das denke ich auch. Also wie gesagt, es macht ja auch Spaß, man plötzlich entdeckt, was man aus manchen Sachen, die man vorher vielleicht tatsächlich achtlos entweder liegen gelassen hat oder weggeworfen hat, doch noch zaubern kann. Und das finde ich sehr, sehr, sehr, sehr spannend. Ja, Daniel, habe ich dich jetzt vielleicht doch nochmal überzeugt. Gemüseschalen zu sammeln und Suppe draus zu kochen.
Daniel: Das ist natürlich einer der großen Vorteile in den Gesprächen mit euch, dass ich selber lerne, meinen Kochalltag zu verbessern und neue Dinge auszuprobieren und diese Renovationen zu integrieren. Es ist natürlich immer eine Ansprache, das hattest du eben gesagt, mit deinen Workshops, die dir zu lieb sind, die immer auf Leute trifft, die sowieso schon Interesse daran haben. Jemand, der sowieso schon gerne kocht, probiert hier noch mal was Neues aus. Und denkt sich, ⁓ geiles neues Gadget. Ich mach aus den Schalen auch noch mal was, hab ein neues Geschmackserlebnis, dann mach ich noch einen Topf auf den Herd. Das ist auch irgendwie cool. Und auch natürlich aus meiner Event-Perspektive als Daniel bin ich natürlich auch voll dabei. Ich sehe, dass die Wurzeln weggesperrt werden und denke mir, Gott, warum kann man die nicht mit nach Hause nehmen? Das muss doch jemand aufessen. Ich hab selber auch Kinder und das ist ja der beste, das besten Mittel gegen Lebensverschwendung, sag der Vater am Esstisch. Das würde ich auch aus meiner Biografie sagen, aber der muss immer alles noch aufessen, was sonst übrig bleibt. Ja, damit ist die Tonne kommt. Also natürlich wird bei uns auch aufgegessen. Ich probiere das auch zu machen. Wenn ich zu Hause das wegwerfe, dann wird mir auch, also ich mach das mit großem Schamgefühl. Fast so, ich es unter... Im Hausmüll, wo niemand kontrolliert, weil ich selber ein schlechtes Gewissen habe. Natürlich spricht mich das alles an. Ich teile auch die Sachen von Esther, diesen Kulturkonservatismus, weniger als mehr. Was ich gar nicht mag, ist, in diesen riesigen Walmarts einkaufen zu fühle mich da verloren. Ich fühle mich da mit meiner Persönlichkeit nicht abgeholt. Mir würde es auch helfen, ich hätte nur vier Produkte zur Auswahl. Ich wäre dann zufrieden. Ich sehe halt immer, also da komme ich auch nicht raus, das ist auch aus meiner sozio-logischen Perspektive, dass ich mir so denke, also es widerspricht halt unser wirklich, Zeitgeist, auch unserem globalen Zeitgeist zu leben. Also Leute haben auch unterschiedliche Bedürfnisse. Wer entscheidet, welche Brote es gibt, obwohl man auch andere herstellen könnte. Leute sind unzufrieden. Wir sagen jetzt, vier Brote wären toll, aber was ist in dem Moment, wo ich dann denke, heute hätte ich Lust auf Dinkel? Körnerbrot, dann gibt es wieder nur Walnussbrot. Das könnte ich meinem Sohn nicht mehr unterjubeln. Da wäre ja schon der Protest zu Hause groß. Wie geht man damit dass was ganz anderes gewohnt ist? dass es die Möglichkeit besteht, mehr anzubieten. Es nicht so, dass wir in früheren Zeiten das Problem haben, es gibt gar nicht die Option, mehr zu machen. Sondern die Option gäbe es. Man müsste sich aktiv dafür entscheiden, weniger zu haben. Das Gefühl, weniger ist mehr, muss kultiviert werden. Man muss einen Umgang damit finden, einen Umgang mit Enttäuschung. dass es bestimmte Dinge nicht gibt, das ist überhaupt nicht etabliert im Moment. Oder eben auch, dass wir eine hochgradig ausdifferenzierte, arbeitsteilige, globale Wertschöpfungskette haben, die natürlich auch diesen Wohlstand, von dem wir alle profitieren, ganz stark mitperpituiert hat. Und wo man noch sagen muss, die Wohllinz-Abfälle entstehen abseits des Einzelnen. sind ja ganzen einzelnen Schritte, also Verantwortung auch immer wieder an anderen weitergegeben wird. Und jeder muss in seinem Business darauf achten, dass es reibungslos läuft. Der Händler muss die Regale voll haben. Dann wird eben nicht in kleinen... Das war im Film auch der Fall. In diesen Rondel-Paletten wurde gesagt, wir sind hier keine kleine Klitsche, die hier zwei Paletten Kisten verkauft. Wir haben ja Massenwaren. Bis wir das... Bis er das draussortiert hat, alles, was noch passt, das rechnet sich in Bezug auf die Arbeitskraft, die da entlohnt werden muss, überhaupt nicht. Allein mit den moralischen Appellen, und die hat es ja tatsächlich seit dem Film gegeben. Das hat sich verändert, das Thema ist viel bewusster, als das auch gesagt worden ist. Es gibt diesen moralischen Appell überall. Das lässt sich nicht allein damit bewältigen. Es muss sukzessive in eine andere Form der Kultur entwickelt werden. Wie wir mit dem...
Esther: Gut.
Daniel: Problemen von Überfluss, der an sich ja was Schönes ist, umgehen können. Wie wir den Problemen, die damit verbunden sind, da irgendwie rauskommen. Auch dass Verschwendung eine ambivalente Geschichte ist, finde ich auch gar nicht eindeutig. Verschwendung ist an anderer Stelle auch was Schönes. Ich kann was verschwenden. Ich habe einen Überfluss, das ist Zeichen von Wohlstand. Die Verschwendung ist ein Zeichen von Wohlstand. In einer bestimmten Situation kann es uns zum Problem werden, weil wir dann anderen Stellen global gesehen Ressourcen aufbrauchen, die wir dann doch dringend brauchen. Das ist das dringendere Problem. Das zeigt der Film auch an einer Stelle, wo er diese Kleinbauern in Kamerun besucht. Man muss auch bisschen wegkommen davon, sagen, es ist unser schlechtes Gewissen, dass es uns hier plagt. Wenn ich hier nicht aufesse, dann stirbt das Kind in Afrika nicht. Die Leute hungen an anderen Stellen der Welt, weil Ressourcen für Dinge verbraucht werden. Und nicht sinnvoll eingesetzt werden, die wir an anderen Stellen im globalen Gefüge benötigen würden. Das das Dilemma, das dahinter steckt. Das Essen, das Geschmack, das ist eine wichtige Sache. Das nehme ich auch immer mit. Aber wir müssen mit dem Film erkennen, dass es Stellschrauben und es ist langwieriger, kulturelles Kulturwechselkampf nötig. Das ist ein militärischer Begriff, der passt völlig auf. nötig, um gegenzusteuern und ein verändertes Verhalten zu erzeugen, das auch stabil ist. Koch jetzt was Schönes.
Johannes Quirin: Die Langfristigkeit ist sicherlich ein sehr schwieriges Thema. Jetzt kam mir gerade noch so eine Geschichte in den Sinn von einer sehr guten Freundin, die in der DDR groß geworden ist. im Endeffekt mein Jahrgang. Und dort natürlich ein ganz anderes Konsumverhalten erlebt hat, wie das in Deutschland der Fall war. Also da ist es ja so gewesen, dass man eben Angestanden ist und man wusste noch gar nicht was es quasi gab und wenn man da drin war dann gab es halt vielleicht zwei verschiedene Joghurt Sorten und dann hat man halt die mitgenommen die es da gab und sie hat mir das dann auch Geschildert wie das so für sie war als dann als sie dann plötzlich mit der family in einem deutschen supermarkt stand also in normalen supermarkt für uns ja aber plötzlich mit diesem Überangebot total überfordert war. Was soll ich jetzt nehmen? Warum gibt es hier zehn verschiedene Joghurt? Und alle sind, was weiß ich, Himbeergeschmack oder keine Ahnung, welcher ist jetzt der beste? Früher war das halt ganz einfach. Da hat man den genommen, der da stand im Regal. Und da kann man sagen, ja, Überflussgesellschaft oder Marktwirtschaft, der Wettbewerb und so weiter und so fort. Ich fänd's manchmal nicht nur einfacher für mich, sondern ich fänd's auch sinnvoller, wenn eben nicht so ein Überfluster existiert. Bloß das sind natürlich langfristige Themen. ist natürlich auch immer alles auf Wachstum ausgerichtet, auch wenn Wachstum endlich ist. Aber dann gibt's dann halt noch mal irgendwie einen neuen Joghurt, der noch besser schmecken muss. Und man kriegt's natürlich auch reingepresst aus der Werbung. Und deswegen sag ich, ja, was kann man tun? Da wär's mir natürlich auch mal recht. wenn die Werbung es mal anders angehen würde und jetzt sagen hier, ihr könnt auch sowas nehmen und übrigens das Mindesthaltbarkeitsdatum, das müssen wir zwar drauf schreiben, aber ihr könnt den Joghurt dann auch noch danach öffnen und essen. Einfach mal auf eure Sinne verlassen, probieren, schmecken, riechen, ja, und nicht direkt ungeöffnet in den Müll schmeißen, weil man denkt, Ops, ist es verfallen. Und das wird dabei ja nicht erzählt, weil der Konsum eben im Hintergrund steht. Und das ist halt was Gesellschaftliches, was natürlich ja sehr sehr schwierig ist zu durchbrechen ja und deswegen sage ich es wird halt ein langwieriger prozess sein dass sich da ein großes umdenken ein großes umdenken einsetzen wird
Esther: Wir stecken schon lange in diesem Prozess und haben gesehen, gewisse Sachen verändert Bewusstsein, dass man Suppe kocht aus den Abschnitten und gewisse andere Dinge. Ich glaube, da braucht es ganz viele Akteure, wo wir zu einem Schluss kommen, dass vielleicht auch Menschen wie wir, die sagen, weniger ist mehr, dass die auch mehr Gehör bekommen. Und dass man auch sagt, gäbe vielleicht auch Geschäftsmodelle für solche Menschen. Das wäre für mich auch so Ding, wo man sagt, braucht es wirklich? Braucht es immer ein grosses gefühltes Bananenregal im Supermarkt? Oder reicht es auch, wenn es da mal hat und mal nicht? Aber ja, natürlich. In der heutigen Zeit braucht es das. Also für mich nicht, aber für andere wahrscheinlich. Aber ich glaube schon, dass da ganz viele Akteure zusammenspannen müssen. die Landwirtschaft mehr sagen muss, was sie braucht und eben auch diese Wertschätzung kommt. ja, Menschen wie wir, sagen, vielleicht ging es auch anders.
Johannes Quirin: Ich denke, ist natürlich so ein Prozess, wie du sagst, unterschiedliche Akteure getragen werden muss, die dann auch in irgendeiner Art Weise dann auch Gehör bekommen. ja, da gilt es natürlich einfach zu überlegen, wo kann ich das dann auch so breit streuen, dass man da durchaus einfach auch nachdenkt. Also man merkt ja durchaus, dass die Landwirtschaft da auch durchaus nochmal Schritte zurückgeht und sagt, Moment, Ich verwerte das selbst. mache einen Hofladen, mache einen Kartoffelverkauf und so weiter und so fort. Sich bewusst, teilweise bewusst, ja auch aus dem System der großen Lebensmittelindustrie rausnimmt und sagt, Direktvermarktung, das bringt mir mehr. Davon habe ich wirtschaftlich mehr und natürlich auch die Kundenbindung. Das, was du gesagt hast, damit man einfach auch die Menschen hinter dem Produkt kennenlernt. Und das merke ich, kommt immer verstärkter. Wo ich mich dann auch manchmal frage, also gerade im Schwarzwald, Hofläden gibt es da genügend und wenn man dann da hingeht und tolles Bio-Fleisch vom Schwarzwaldbüffel kauft, wo man dann sonst eher die städtischen Preise aus Stuttgart, Nürnberg oder sonst wo gewohnt ist und sieht, was dann so ein Kilo Filet kostet, wo man so denkt, also ihr könntet das ruhig auch noch teurer verkaufen. Da setzt sich eigentlich dann schon mal nächtlich wieder der Gedankengang in den Kopf, wo ich sage, also Ihr könntet eigentlich mehr für euer Produkt verlangen, aber das machen sie bewusst, vielleicht auch bewusst nicht, damit die Leute im Ort, den Ort das halt einfach auch kaufen können. Und sie wissen dann auch, dass es gewertschätzt wird, auch von jedem, der das dann entsprechend kauft. Und natürlich ist das dann wiederum ein schmaler Grat, wo muss dann auch die Politik irgendwo... regulierend eingreifen, was Überproduktion angeht. Das war jetzt ja auch das Thema Kartoffelernte. Wie viel Tonnen von Kartoffeln mussten vernichtet werden, weil man nichts mit anfangen kann. Und da muss man ja auch irgendwie fragen, okay, die Butterberge und diese Geschichte, die man ja so kennt, die angespart worden sind für die schlechten Zeiten in Anführungszeiten. Also muss es das, braucht es das oder? Da man sagen, die Überproduktion senkt zwar die Preise, aber ist auch nicht gut für die, produzieren. Werdschätzung ist auch tatsächlich Wertschätzung in einem fairen Preis für alle, die da was produziert haben. Das sind einfach tatsächlich Lebensmittel als Ressource. Diese Ressource muss auch was wert sein, dem darf was kosten. Natürlich muss man immer gucken, dass das für alle passt. Ja, das ist natürlich so. Deswegen gibt es ja natürlich auch Discounter und dieser Überfluss vielleicht am Markt. Aber letzten Endes denke ich, ist es halt einfach so ein Punkt, man mal überlegen muss, wie reguliert sich diese Marktwirtschaft da vielleicht auch nochmal irgendwo ein Stück. Daniel (1:00:05) Das klingt ziemlich gut, ist ein ambitionierter Prozess. wir sind auf so Weg. Das fand ich bei dem Film schön, dass er das angestoßen hat. Dass er das auf seine Art Weise charmant gemacht hat, weil er so unaufgeregt darüber berichtet hat. Johannes Quirin (1:00:08) Hahaha. Daniel (1:00:28) Jeder Film hat seinen Framing. Es gibt eine Rahmenung. Man könnte alles anders zeigen. Das muss man sich ja klar sein. handelt sich den Film. Keinen objektiven Blick auf die Welt. Aber für eine Dokumentation, auch für so eine, die sich einem schwierigen Thema annimmt, fand ich es sehr entschleunigend. Und auch wenig hypermoralisierend, sondern bestimmte Prozesse zu zeigen. Ich glaube, das könnte ein Erfolgsgeheimnis des Films sein. damit viele abholen konnte, weil er mal gezeigt hat, was passiert da, wie wird damit umgegangen und natürlich auch die Absolutität ein bisschen ins Zentrum gestellt hat, ohne aber gleichzeitig dann die große Hysterie-Debatte damit zu führen, sondern eben so sachlichen Input gegeben hat, mit dem man dann weiterarbeiten konnte. Und für mich war es deswegen auch, finde ich, eine lohnenswerte Sache, den Film nochmal zu sehen und auch vielleicht als Rückblick zu sehen, wo stand man 2011 und... Wie weit ist man gekommen und wo steckt man vielleicht auch weiter? In einer Kreislaufwirtschaft, keine wirkliche Kreislaufwirtschaft ist, sondern leider mehr eine Karussellwirtschaft ist. Aus der man aber schwer rauskommt, weil sie sich eingespielt hat. Johannes Quirin (1:01:45) Das ist richtig. Das war ja schon fast ein Schlusswort bzw. in dem Sinn auch die Überleitung, auch wenn es jetzt eine Dokumentation ist. Aber nichtsdestotrotz beschäftigt sich ja mit einer Kerneszenz des kulinarischen Kinos überhaupt der Lebensmittelproduktion, würde ich mal sagen. Wie ist denn dein Fazit, wenn du so ein schönes Plädoyer gehalten hast, Daniel, zum Film? Daniel (1:02:14) Mein Fazit ist, dass es schwierig ist, Gänge zu vergeben. Ich weiß nicht, ob ihr es auch weißt. Wir vergeben immer vier Gänge pro Sendung. Manchmal wenn ich euphorisch bin, noch fünften Dessertgang. Aber bei Dokumentationen es schwieriger. Ich fand es eine gute Dokumentation. Ich habe gerade gesagt, warum ich sie spannend fand. Ich finde super, dass sie ins Spiel gebracht hast. Auch das Gespräch mit euch hat mir ... geholfen, bestimmte Perspektiven darauf schärfer zu fassen. Ich würde sagen, es ist etwas, was man gesehen haben sollte. Es ist nicht etwas, wo ich jetzt denke, boah, ist jetzt mein Lieblingsfilm. Im Spektrum Dokumentationen, ich Ihnen jetzt sagen, sind es zweieinhalb Gänge. Womit ich nicht sagen will, das mit den Spielfilmen, ich anders bewerten. Hier zweieinhalb Gänge, auf jeden Fall sehenswert. Und ich würde letztlich sagen, gerade auch als... Zeit, historisches Dokument und für die Analyse des Weges ein wichtiger Beitrag zum kulinarischen Kino. Wie sieht es bei euch beiden aus? Johannes Quirin (1:03:22) Ist da? Esther (1:03:23) Ja, also ich finde es wirklich ein Must-See, wenn man sich mit Lebensmitteln befasst. finde ich, Film hat schon einfach, also wie du auch sagst, er ist so ruhig rangegangen und er hat einfach gezeigt, was ist. Ich finde es auch sehr respektvoll mit den Menschen umgegangen, die da eingebunden sind, die zum Teil Jobs haben, die man eigentlich nicht haben möchte, aber die hat auch das brauchen, zu überleben. Und das hat mir sehr gut gefallen, dass es so schön und wertschätzend gegenüber den Menschen war, die die Türen geöffnet haben und die gesagt haben, ja, du darfst bei uns reinblicken. Also er hat dann eben nicht einen Skandalfilm daraus gemacht, einfach mit Bildern und Aussagen gezeigt, wie es ist. Und ich finde, der Film Er hat immer noch ganz viel Aktualität. Er ist zwar 14 Jahre alt, aber viele Sachen haben sich noch nicht geändert. Er hat sehr viel angestoßen. Dafür würde ich mindestens dreieinhalb Gänge vergeben. Ich bin sehr froh, Johannes, dass du diesen Film eingebracht hast. Ich ihn so nochmals geguckt. Ich glaube ... Wir verdanken damit ganz viel Diskussion rund das Thema. Johannes Quirin (1:04:54) Ja, so sehe ich das auch, Esther. Danke auch für deine Bewertung. Und ich liege da tatsächlich auch ähnlich. Ich hätte jetzt sogar noch gesagt, gebe ihm diese vier Gänge auf Dokumentationsniveau, ⁓ da Daniel auch noch mal zu zitieren, weil es einfach tatsächlich ein wichtiges Thema ist, das dort ganz klar in den Fokus gerichtet oder gesetzt wird, das Lebensmittelverschwendung uns alle angeht. Es ist ein Film, der einen da auch zum Nachdenken, also zumindestens mir, ging es jetzt auch noch mal so, als ich ihn damals gesehen habe, aber auch jetzt noch mal so, dass ich da tatsächlich einfach nachdenke und auch mich selbst überdenke im Hinblick, wie gehe ich mit Lebensmitteln ⁓ Und deswegen sage ich, es ist sehr gut gemachter Film, der auch nicht irgendwie ... extrem extrem auf auf provokation oder ähnliches setzt sondern tatsächlich das zeigt wie das ist und man sieht es ist ein globales problem und das globale problem müsste ja irgendwo auch angegangen werden deswegen sage ich es ist ein sehr wichtiger sehr wichtige dokumentation wenn es rund lebensmittel geht vier punkte von mir oder vier gänge von mir und ja ich Ich da auch noch mal so drauf gestoßen und dachte, ja, das ist eigentlich auch noch mal was, was man besprechen sollte, auch wenn es abseits des klassischen kulinarischen Kinos liegt. Ja, Daniel, was ist denn als nächstes dran? Daniel (1:06:32) Ich bedanke mich bei Esther, dass sie unseren Podcast so charmant aufgelockert hat. Und auch für den fachlichen Input. Ganz wichtig, ihre Bücher, Leave to Root, kann man unseren Zuhörern Zuhörer nur noch mal empfehlen. Das erste ein bisschen dicker als das zweite, das zweite habe ich noch nicht gelesen. Das darf noch mal der Hinweis. Und dann würde ich noch ganz kurz eine Sache sagen, wo wir beim Film nicht so viel gesprochen haben, war aber das Container, Phänomen, das kam bis zu so Rande vor. Wer sich dafür noch mehr interessiert, den würde ich noch auf eine Studie eines soziologischen Kollegen von mir verweisen. Und zwar hat der mal ein Buch geschrieben 2019, das ist eine Doktorarbeit, die er damals gemacht hat. Mülltauchen für eine bessere Welt erschien im Ökom Verlag, wo er tatsächlich geguckt hat, was sind das eigentlich für Leute? die da in die Container reingehen. Und diese Essen da raus holen, welcher Motivation und was versprechen die sich davon und wie wird das vielleicht auch in einem größeren Kontext eingebettet gesehen. Also wer sich dafür mehr interessiert, dem kann ich das ans Herz legen. Es ist nicht nur Datenauswertung, sondern es auch interessante, qualitative Interviews verarbeitet. Genau. Das noch vielleicht abschließend zu unserem heutigen Thema. bei der nächsten Folge würde ich gerne einen Spielfilm besprechen. Und zwar den Film Komödie im Mai. Ein französischer Film. Und auch dazu würde ich gerne einen Gast einladen. Und zwar habe ich meinen Kollegen Lars Albert gefragt. Auch ein Soziologe. Der hat schon mal zu diesem Film etwas geschrieben. Und ich glaube auch, der könnte für uns eine ganz spannende Ergänzung sein. Ich hoffe es ist in deinem Sinne, Johannes Quirin (1:08:22) Lass ich mich mir wieder voll überraschen. Der Film sagt mir nichts und von daher werde ich mal sehen, was mich da erwartet. Auch von meiner Seite herzlichen Dank, Ester, dass du heute unsere Runde bereichert hast. Wir haben ja das als Premiere heute auch mal zu dritt gemacht. Daniel und ich sind uns da übereins gekommen, dass sicherlich jemand drittes im Bunde einfach diese Runde noch ein bisschen mehr auflockert. Vor allem mit fachlichem Input, weil wir fabulieren ja eher über Dinge links und rechts, von denen wir nur annähernd Ahnung haben. Und deswegen herzlichen Dank an dich nochmal, dass du Zeit hattest und Spaß daran, uns den Film zu besprechen. Esther (1:09:07) Danke euch beiden, Johannes und Daniel. war mir eine Ehre. Auch für mich sehr inspirierendes Gespräch. Alles Gute. Johannes Quirin (1:09:17) Ja und da bleibt mir nur noch eins zu sagen, nachdem Daniel ja schon auf die Bücher hingewiesen hat, muss ich es ja nicht nochmal machen, aber ihr findet alles in den Show Notes und deswegen bleibt mir nur noch zu sagen, manchmal sind die besten Geschichten die, die beim gemeinsamen Essen entstehen.
Neuer Kommentar