Folge 08: Die Küche - DDR Dokumentation

Shownotes

In dieser Folge nehmen wir euch in der DEFA Dokumentation "Die Küche" mit in die raue Welt einer DDR-Betriebskantine – dorthin, wo Essen keine Kunst, sondern pure Notwendigkeit ist. Wir sprechen über die unsichtbaren Heldinnen am Herd, die mit Riesenkellen, Schweiß und Solidarität eine ganze Werft versorgen. Dabei tauchen wir tief in die Atmosphäre der Großküche ein, diskutieren Mangelwirtschaft, Planwirtschaft und den Stellenwert von Genuss im Arbeitsalltag. Was bleibt vom Mythos der Gemeinschaft, wenn Essen zum Treibstoff für den Sozialismus wird? Wir finden: Ein faszinierendes Zeitdokument, das Respekt und echte Wärme hinter dampfenden Töpfen sichtbar macht.

Takeaways

  • Gesellschaftliche Bedeutung der Großküche in der DDR
  • Darstellung der Arbeit in der DDR-Großküche
  • Geschlechterrollen und Frauen in der DDR-Arbeitswelt
  • Vergleich zwischen DDR- und westlicher Massenverpflegung
  • Kulturelle und historische Einblicke durch das Zeitdokument

Die Küche bei wikipedia

Die Küche bei IMDB

Die Küche auf youtube schauen

Die Küche (1986)

https://www.defa-stiftung.de/filme/filmsuche/die-kueche/

Jürgen Böttcher

https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_B%C3%B6ttcher

Neptunwerft Rostock

https://de.wikipedia.org/wiki/Neptunwerft

DEFA (Deutsche Film-Aktiengesellschaft)

https://de.wikipedia.org/wiki/DEFA

Babettes Fest

https://de.wikipedia.org/wiki/Babettes_Fest

Ratatouille (Film)

https://de.wikipedia.org/wiki/Ratatouille_(Film)

Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber

https://de.wikipedia.org/wiki/DerKoch,derDieb,seineFrauundihrLiebhaber

Sushi in Suhl

https://de.wikipedia.org/wiki/SushiinSuhl

Der blaue Würger (Buch von Peter E. Kochan)

https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-1772-7/der-blaue-wuerger/

Mehr Infos zu Dr. Daniel Kofahl unter: https://www.apek-consult.de/team/dr-daniel-kofahl/ - Kontakt: Kofahl@apek-consult.de

Mehr Infos zu Johannes Quirin

Musik Intro/Outro von DianaProductionMusic über Pixabay

Transkript anzeigen

00:00:03: Film und

00:00:03: Fressen,

00:00:04: der

00:00:04: Podcast über Kino mit Geschmack.

00:00:08: Mit Kofal

00:00:10: und Quirin.

00:00:11: Herzlich Willkommen bei Film und fressen.

00:00:13: schön dass ihr wieder eingeschaltet habt.

00:00:16: ja wir hatten hier schon sprechende Würstchen die an Götter glauben.

00:00:20: Wir hatten japanische Zenmeister versuchen, die besten Nudelsuppen zu erstellen.

00:00:28: Und wir hatten natürlich auch Filme über Sterneköche.

00:00:32: und heute da lassen wir mal die feinen Restaurants, die Pinzetten und all das was so dazu gehört hinter uns.

00:00:41: Wir tauschen das Trüffel-Schäumchen gegen die dicke Kartoffelsuppe und die Pinzzette gegen die Riesenkelle!

00:00:48: Wir reißen zurück in den Dezember, Und da schauen wir heute eine Dokumentation an.

00:00:58: Die Küche, die steht bei uns auf dem Speiseplan und ausgesucht und natürlich wie immer mit dabei hat der liebe Dr.

00:01:07: Daniel Kofal unser Ernährungssoziologe und heute hält der sozialistischen Arbeit am Kochtopf!

00:01:12: Natürlich diesen Film, das letzte Mal vorgeschlagen.

00:01:15: Hallo Daniel!

00:01:29: Ja genau dann steigen wir doch mal gleich in die Zusammenfassung ein und dann können wir ja auch schon einmal danach das ein oder andere besprechen was sich da so gibt und zeigt.

00:01:40: Ja, das ist richtig Akkord-Hitze.

00:01:43: Lärm die Küche eine Dokumentation der DEFA noch.

00:01:49: DEFA-Regisseur Jürgen Bötcher.

00:01:52: Das ganze stammt aus dem Jahr in den letzten sechsund achtzig.

00:01:55: Und es eigentlich auch ein Zeitdokument.

00:01:57: Es ist ein filmischer Schlag in die Magengrube.

00:02:01: man sieht förmlich wie das sozialistische System in der Kantine in der Küche funktioniert.

00:02:09: Und das Ganze tatsächlich ganz rough wird mir sagen, neudeutsch!

00:02:16: Kein Sprecher aus dem Off der uns die Welt erklärt keine Interviews, keine aufgesetzte Dramaturgie.

00:02:22: Die Kamera steht einfach nur da hat dann entsprechend die Protagonisten davor stehende Hauptküche der Neptune werft in Rostock und hält einfach drauf.

00:02:33: Wir sehen dreientreißig Frauen, sechs Männer die ab vier Uhr morgens im Akkord arbeiten.

00:02:38: Sie schmieren Viertausend Brötchen zerlegen Schweinehälften rührenden Kesseln in die man sich reinstellen könnte und schruppen am Ende dann auch noch den Boden.

00:02:48: Ja es ist ein Film über die unsichtbare Arbeit die eine ganze Werft am Laufen hält zumindestens kulinarisch Und da natürlich dann auch für den Treibstoff der arbeitenden Bevölkerung sorgt.

00:03:03: Es ist laut, es ist heiß und es ist auch irgendwie so ein bisschen Monoton wenn man den Ganzen folgt.

00:03:08: aber der liebe Herr Bötger findet in dieser Monotonie eine unglaubliche Poesie und gibt den Frauen die sonst nur im Hintergrund schuften –ein Gesicht und eine Würde-.

00:03:18: Ein Film der einem ja den Respekt vor der einfachen Arbeit förmlich einprügelt oder vielleicht reinschnippelt, wie man das so schön sieht.

00:03:30: Daniel, wie kam es denn zu dem Vorschlag diesen Film anzuschauen?

00:03:36: Vielen Dank für die tolle Zusammenfassung Johannes!

00:03:38: Wie kam es zu diesem Vorschlag?

00:03:40: Das ist eine... Ja, eine Art Immunreaktion möchte ich fast sagen.

00:03:44: Darauf dass mir nach der letzten Woche nach deinem Film doch sehr der Kopf geschwirrt hat.

00:03:49: Das war ein toller Film!

00:03:50: Ich kann jedem, der uns heute zuhört nur die letzte Folge empfehlen und auch den dazugeboreen Film.

00:03:55: aber das war eben ein solches ja ein solches Disneyland auf irgendeiner Drogekristallmest oder was ich, was man da so nimmt.

00:04:04: Dass ich dachte, da muss man jetzt mal einmal sich abkühlen und einen Film nehmen der gerade nicht über die Stränge schlägt sondern... Ich wollte dann einfach zu einem Animation-Film, den wir letzte Woche gesehen haben eine Dokumentation heranziehen Und ich habe diesen Film die Küche vorhin noch nicht gesehen aber ich hatte den Eindruck von dem was ich dazu gelesen hatte ganz oberflächlich, dass wir hier erstmal mit Ernährung zu tun haben.

00:04:32: Die nicht als Luxus, nicht als Kunstreligion oder als Selbstausdruck zum Tragen kommt sondern wirklich eine Küche die als Arbeit der Versorgung funktionieren wird.

00:04:42: und ich glaube das hat uns der Film nachdem wir uns angeschaut haben das ist ja mir auf jeden Fall auch gezeigt.

00:04:49: also das ist hier wirklich eben ne ganz bodenständige Art der Essenszubereitung der Versorgen mit Essen, der Küchenarbeit Aber natürlich auch in der Moderne angekommen.

00:05:00: Wir sind hier nicht mehr bei Lewis und den außerirdischen Kohlköpfen auf dem Land, sondern wir sind hier wirklich in einem Betrieb, in einer Maschinerie der Neuzeit der Industrie.

00:05:12: Und ja, wir können darüber sprechen wie Ernährung?

00:05:15: Wie Kochen?

00:05:17: der Rest von Kulinarik, den man vielleicht noch beobachtet hier prozessiert wird.

00:05:21: Aber so kam ich eben auf diesen Film ein bisschen als Kontrapunkt zu dem was wir letzte Woche gesehen haben und ich hoffe er hat auch für dich einige Bilder bereit gehalten aus Bektige Zeich die du vielleicht interessant fandest.

00:05:35: Ein Blick in die Geschichtsbücher.

00:05:38: So kam es ja vor schwarz-weiß kam ja auch daher.

00:05:41: Ich habe jetzt tatsächlich noch nie so oft in einer Großküche oder in einer Kantinenküsche gestanden zwar schon mal in Großküchen reingeschaut, ja im Bauch eines Shins, wo ihr merkt passend irgendwie auch zur Werft.

00:05:55: Aber das war schon mal ganz interessant und dann halt auch mal zu sehen wie das vielleicht ein bisschen anders dann in der DDR auch ablieft.

00:06:03: von daher fand ich das ein filmisches Zeitdokument weil so einen Blick hat man ja durchaus eigentlich nie bekommen, also so einen Einblick.

00:06:15: So eine Möglichkeit irgendwo reinzuschauen und von daher fand ich das ganz interessant.

00:06:19: Und ja wir haben da sicherlich das ein oder andere an Diskussionsfutter wenn man da so ein bisschen reinschaut über DDR, über Mangelwirtschaft.

00:06:33: Wir haben das auch schon mal bei Sushi & Zul quasi miterlebt wie es darum geht wenn da ein Restaurant dort natürlich viel kleiner kochen muss beziehungsweise dann mit exotischen zutaten unterwegs ist.

00:06:47: ja also eigentlich konnte da schon alles besorgt werden aber es war halt nicht immer so in dieser betriebskantine.

00:06:57: das ist halt einfach wirklich so.

00:06:59: ein ort Für das einfache Essen, das hast du ja auch so schön gesagt.

00:07:04: Natürlich auch extrem wichtig.

00:07:06: Essen für die Arbeiter, dass da die Stimmung entsprechend hochgehalten wird.

00:07:11: Schlechtes Essen bedeutet schlechte Laune und schlechte Produktivität.

00:07:17: Von daher hat jeder so schwer dazu beigetragen, dass auch was Gutes nachher auf den Tisch kommt.

00:07:28: In vielen Betriebskantinen, natürlich jetzt hier in der DDR nochmal ganz anders ist es natürlich ein sehr stark subventioniertes Essen gewesen das ganz wenig gekostet hat damit jeder Arbeiter eben täglich eine warmes settigende Mahlzeit auch tatsächlich erhalten konnte.

00:07:50: Von daher fand ich das ganz spannend.

00:07:52: Klar, Riesenkessel habe ich auch so gesagt wo man drin stehen könnte die dann da lustig schnippelnd mit Kartoffeln und Möhren einfach mal in der Hand geschnibbelt zack, zack gefüllt worden sind und dann hat man mit einem Riesenlöffel drinnen gerührt.

00:08:10: ja also von daher deftig kräftig damit halt mein Aufner werft.

00:08:15: da wurde richtig hart gearbeitet viel geschweißt und viel geschwitzt.

00:08:20: Und von daher braucht es natürlich auch was Kräftiges.

00:08:23: Ich habe, wenn ich selber drüber nachdenke im Krankenhaus in so Krankenhausküchen mal reingeguckt aber das waren auch alles so Küchen wo tatsächlich dann nur Essen warm gemacht wurde, wo anders gekocht ist also anders wohl diese Großküche gegeben haben.

00:08:37: und ansonsten ist das wirklich so ein Feld eine Hinterbühne die man eigentlich nicht sieht in unserem Alltag.

00:08:45: Und ich glaube, es ist auch wenn das hier ein Zeitdokument aus der DDR etwas was an ganz vielen Orten in unserem jetzigen bundesrepublikanischen Alltag durchaus Gound-Gebe ist.

00:08:56: Die Betriebskantinen oder die Kantinen in der Universität ja diese Mensen also überall von Massenversorgung stattfindet und das ist etwas was eben tatsächlich versteckt abläuft.

00:09:09: diese Gerichte, wir kommen da rein.

00:09:11: Wir setzen darauf dass die Versorgung funktioniert aber was im Hintergrund so abläuft das wissen wir gar nicht um diese einfachen Essen in einer großen Stückzahl zu produzieren.

00:09:22: Das fand ich es auch ganz schön wenn du jetzt schon auf diese großen Dimensionen angespielt hast weil das ist ja auch etwas was wir hier klar vor Augen geführt bekommen.

00:09:30: Hier geht's nicht um filigrane Detailverliebte Kochkunst.

00:09:34: also hier ist nichts klein groß.

00:09:38: Hier ist alles überdimensioniert, da du hast davon gesprochen die großen Bottiche, die großen Schöpfkellen hast du genannt.

00:09:44: Ist mir auch alles aufgefallen ja also Säcke von Kartoffeln, die hier verarbeitet werden dann auch die Messer unglaublich groß mit denen man in große Stücke etwas zerlegt und dem diesen Bottichen eben dann auch umrührt.

00:09:56: Die Maschinen sind groß Also Die werden massen verarbeitet.

00:10:01: Es gibt eine Szene, die fand ich da ganz witzig im Vergleich.

00:10:05: Da steht einmal so ne Frau in unserem Kessel und schnibbelt da so einzelne Dinge rein.

00:10:08: Ich hab leider nicht genau erkennen können was Aber das wirkte fast schon verloren wie diese einzelnen Dinge da rein vielen Ob es irgendwas gab warum sie haben noch einen Wurzel reinzugeben.

00:10:18: aber Das ist an sich sonst nicht das Prinzip der Verarbeitung dass hier passiert wird.

00:10:22: Und ansonsten Wie du gesagt hast auch es wird hier den Arbeiten Ja Den arbeitenden Leuten zu einem günstigen Preis ein Essen angeboten und die Auswahl ist dann auch gar nicht so groß.

00:10:37: Es gibt, wenn ich das eine Tafel gesehen habe es gibt einen Stammessen also anscheinend einfach immer gibt ja dass wird irgendwie jeden Tag gekocht und es gibt noch ein... Ich glaube Wahlmenü hieß das irgendwie.

00:10:49: Also kommt man nochmal vielleicht am Tag wohl irgendwas saisonmäßig angeboten oder was eben gerade in der LPG produziert wurde und überwahr.

00:10:59: Das konnte man dann sich als Alternative holen, aber das war es auch.

00:11:03: Es wird eben angeboten was auf dem Plan steht.

00:11:07: Das ist planwirtschaft.

00:11:08: oder sehen wir glaube ich auch in gegenwärtigen Küchen so dass da ein ganz stark nach Plan gekocht wird und es wird gegessen was auf den Tisch kommt oder was über die Theke gereicht wird.

00:11:17: Und das ist natürlich nur eine Frage.

00:11:19: also geht es hier noch um Genuss oder geht es vor allen Dingen um Sättigung?

00:11:22: Oder wie ausbalanciert ist diese Waage in so einer Situation?

00:11:27: Ja, man darf ja auch wie du sagst was hat jetzt die LPG gerade auch produziert.

00:11:31: Mangelwirtschaft ist natürlich schon da.

00:11:34: ein Thema Fleisch gab es jetzt wahrscheinlich nicht so oft.

00:11:38: gehen wir mal davon aus auch wenn man da schon auch im Film was davor gesehen hat klar aber es wurde natürlich hier auch so ein bisschen als Treibstoff genutzt.

00:11:49: haben wir wirklich letzten Endes in dieser Neptune werft, da geht es jetzt nicht irgendwie um Genusstexturen und Emulsionen wie man das vielleicht auch schon des öfteren diskutiert haben.

00:12:02: Weil hier geht's wirklich um Kalorien.

00:12:04: die Arbeiter, die brauchen Energie, um Schiffe zu bauen und deswegen ist das wirklich reiner Treibstoff und dann muss es halt auch passen und deswegen gibt's natürlich da auch mal Fleisch.

00:12:16: aber es gibt natürlich oftmals irgendwelche Eintöpfe Die dann entsprechend dafür sorgen, dass da genug Kraft dann auch da ist.

00:12:25: Wir haben es jetzt schon mehrfach gesagt diese Frauen die in der Küche für alles Sorgen.

00:12:29: Es scheint ja immer so in Kartenkantinen ein normales Bild zu sein.

00:12:34: aber hier im Film muss man auch sagen das schafft der Böttcher auch ein wichtiges Statement für die Frauen an den Töpfen zu setzen, weil sonst hat man ja meistens in diesen DDR-Filmen starken Männer an den Hochöfen oder im Trakt auf dem Traktor oder wo auch immer.

00:12:57: Die standen da im Mittelpunkt und hier sind es wirklich die Küchenleiterin und die erste Köchin, die hier den Laden im Griff haben und ganz klare Ansagen machen.

00:13:06: und diese sechs Männer, die da auch noch mitarbeiten in der Küche, die spuren!

00:13:11: Und das finde ich auch ganz spannend, dass es hier einfach mal so eine Umkehr auch gibt.

00:13:15: Weil ohne diese Frauen da baut die Werft auch kein einziges Schiff weil dies sorgen wie gesagt für diesen Treibstoff und in dem Fall sind sie wirklich die wahren Heldinnen der Arbeit.

00:13:27: Die Doppelbelastung, die damals da auch schon war.

00:13:33: Weil jüngere Frauen durften etwas später anfangen weil sie vorher ihre Kinder versorgen mussten Und eventuell in Hort, Kindergarten oder wie auch immer.

00:13:48: Jedenfalls war das schon durchaus Realität der DDR-Frauen vollzeit arbeiten aber auch noch Familie schmeißen.

00:13:57: und also von daher fand ich es auch mal ganz interessant mein anderen Blick auf die DDR und das sonstige Bild der harte starken arbeitenden Männern zu sehen was da tatsächlich so gewuppt wird Und letzten Endes auch ganz wichtig früh anfangen und bis da dann die Speisung anfängt, um dann tatsächlich alles zur Ausgabe zu bringen.

00:14:27: Bevor alle da reinstürmen usw.

00:14:31: Da wissen sie auch was wir da geschafft haben.

00:14:34: Ja genau ich muss ganz kurz eine Sache noch ein bisschen korrigieren.

00:14:38: Und zwar der Fleischkonsum in der DDR war tatsächlich ziemlich hoch!

00:14:42: Also das ist etwas, was von der DDR-Führung meines Wissens sogar anvisiert worden ist.

00:14:47: Die wollten viel Fleisch auf die Teller bringen und haben tatsächlich auch so eine Rinderheftnummer.

00:14:55: Das kann ich nicht genau sagen aber auch hier wieder große demonsenierte Fleischstücke hängen.

00:15:01: Wir sehen so eine Bratstation mit Zupuletten wo sie auch im Akkord zubereitet werden.

00:15:06: Und ich glaube in der DDR, weil es mich richtig ändert dass die Breulerproduktion auch versucht wurde keineswegs ökologischen, sondern in der Mastentierhaltung auf die Spitze zu treiben.

00:15:17: Also damit wurde von Selbstsausage schon, glaube ich, erreicht wenn wir natürlich bei anderen Dingen, also Satiri anzwischen auch so kennen, Banane oder andere was das irgendwie eine Besonderheit gewesen ist.

00:15:28: Was ich auch richtig finde, was du gesagt hast, dass hier Frauen wirklich im Zentrum stehen ja es ist ja eine von Frauen geführte Küche wird am Anfang irgendwie auch mal gesagt Lilo Wendler, wenn ich mir das richtig notiert habe ist die Küchenleiterin und Gitti Wolgarten die erste Köchin.

00:15:45: Also dass es hier wie das Personal das ganz vorne steht... Ich fand dann aus soziologischer Perspektive im Laufe des Films interessant, dass das eigentlich keine große Rolle mehr gespielt hat.

00:15:56: also es kann natürlich an dem Framing der Art der Dokumentationen liegen.

00:16:00: Sicherlich werden die an bestimmten Stellen, die wir jetzt nicht gesehen haben.

00:16:03: Weil wir waren ja wirklich nur beim Arbeitsprozess und sind vielleicht der Planung, wenn sie vielleicht mehr Einfluss gehabt haben aber so im alltäglichen Koch-Prozess den wir gezeigt bekommen haben da war wirklich auch die Aussage des Films das sozialistische Gleichheitsideal verwirklicht.

00:16:20: also es war niemand der in diesem Film aus meiner Perspektive so der Protagonist gewesen ist irgendwie hervorgestochen ist sondern jede Person war von ihrer Stellung irgendwie als gleichwertig oder also gleich hoch, gleich niedrig in Szene gesetzt.

00:16:37: Vielleicht sind manche einmal eher in Erinnerung geblieben aber wir haben ja niemanden der das kreative Zentrum des planerischen Zentrums und das ökonomische Zentrum dargestellt hat sondern das war wirklich so auch die Arbeiter untereinander sehr auf einer Stufe gezeigt.

00:16:55: Und wir sehen natürlich hier so dass die Personen in dieser Maschinerie ihre Posten besetzen.

00:17:04: Das hat mich auch natürlich an andere Küchenfilme erinnert, die wir gesehen haben.

00:17:07: also sei es bei Ratatouille wurde das gezeigt oder auch bei La Cocina haben wir ja auch eine Art von Fließbandküche gesehen mit den eigentlichen Posten sie auch mal aus der Druck gestanden haben.

00:17:16: aber auch da fand ich jetzt und das finde ich irgendwann auf dem Podcast immer wieder spannend wenn man das um Vergleich sieht.

00:17:22: Also wir sehen, sehen Ähnlichkeiten bei den Strukturen.

00:17:25: Wir haben die Fließbandküche aber wir sehen natürlich auch die krassen Unterschiede.

00:17:28: und wenn man da Lachokina erinnern an diese Küche dann hatten wir immer diese Hektik, wir hatten diese Aggressivität zwischen dem Personal, wir hatte diese Verdrängungswettbewerbe.

00:17:39: und jetzt haben wir ja in der Küche gesehen wo zwar auch am Fließban gekocht wurde mit der Postenaufteilung Aber es gab eigentlich kein Konkurrenz Verhältnis, das wir beobachtet haben.

00:17:51: Sondern es gab so eine Form des Ineinandergreifens auch des freundlichen kollegialen Umgangs und das fand ich auf einigen Stellen ganz schön.

00:18:00: Es gab ja auch so nette Gehs die diese Maschinerie so ein bisschen aufgelockert haben also malen freundlicher Blick Manchmal hin zu einem Flirt, Blick.

00:18:10: Keineswegs sexualisiert aufgeladen, aber man und eine Frau gucken sich sehr freundlich an Es gab Witze die gemacht wurden Ja es gab ganz schöne Szenen wo auch mal miteinander gesungen wurde Also es wird ein Lied angestimmt in so einer Küche Und also ein ganz einfaches Volkslied Und auch mal so ne vertraute Geste Wo eine Köchin die die andere vielleicht schon länger kennt Wir hören ja auch die Arbeit sehr lange zehn Jahre, zwanzig Jahre sind die da schon dieser Betrieb drin ja auch mal so eine Köchin der anderen Köchin vertrauensvoll den Arm um die Hüften nicht und mit ihr so ein bisschen schäkert.

00:18:42: Also das fand ich eben auch interessant zu sehen dass selbst in so einer Form des kulinarischen Maschinenraums im Sohn Mitmenschlichkeit doch immer wieder auch eine Rolle spielen kann wenn das Setting da ist.

00:18:55: Und es gab natürlich auch der letzte Punkt noch so kleine Besonderheiten in der heutigen Zeit nicht mehr sehen würden.

00:19:03: Und zwar ganz am Anfang, da unterhält sich eine Köchin mit einem Mann und dann sagt sie so nebenbei, oh du riechst ganz schön nach Fusel heute!

00:19:13: Und er lacht so ja-ja...und dann geht man aber so weiter.

00:19:17: Das ist natürlich was das geht nicht mehr Ja?

00:19:20: Es gibt ganz schöne Studien zur DDR noch.

00:19:23: Da gibt es ein Buch Der Blaue Würger von einem Ethnologen, der in Berlin jetzt eine Schnapshandlung betreibt Dr.

00:19:28: Kochan.

00:19:29: Und der hat mal rausgearbeitet, dass der Alkohol-Konsum in der DDR am Ende weltweit höchste pro Kopf gewesen ist.

00:19:36: Er hat so ganz viele Rituale gezeigt und sehen, wo im Alltag halt immer so getrunken wurde, weil einfach dieser Wettbewerbsdruck nicht da war noch die Kontrolle nicht da waren.

00:19:44: Das fand ich an dieser Szene irgendwie ganz witzig.

00:19:47: Von gestern Abend auch ganz schön einen Sitzen oder so.

00:19:49: Ja gut man kann hier so weiter arbeiten das geht eben!

00:19:52: Und das fand ich eine bemerkenswerte und irgendwie auch sehr menschliche

00:19:58: Ja, der Ton ist natürlich ne.

00:20:00: Ich hatte ja eben auch schon gesagt wenn die Lovendler oder die Giddy-Wollgarten was angesagt haben dann wurden nicht lange diskutiert sondern dann war das so und dieses Materialjahrt ist da aus der Notwendigkeit einfach auch heraus geboren worden.

00:20:21: aber gleichzeitig du hast es ja eben also schön gesagt man unterstützt sich gegenseitig Man hilft sich gegenseitig.

00:20:28: Man sinkt eben an der Nordseeküste gemeinsam und das ist so diese gelebte Solidarität am Arbeitsplatz, die man ja nicht nur heute sondern vielleicht auch damals in der BRD, Bundesrepublik Deutschland vielleicht nicht immer so gefunden hat, sondern da war dann schon doch eher Wettbewerb zwischen allen auch zu sehen.

00:20:59: Und du hast eben auch gesagt, da kommen ja alle irgendwie zusammen und es ist ja auch diese Klassenlosigkeit die da ja gelebt werden sollte.

00:21:06: Die wurde ja auch am Tisch in der Kantine gelebt weil da der Schweißer neben dem Ingenieur saß.

00:21:13: Klar gab's vielleicht nochmal irgendwie den Vorstandskasino könnte ich mir schon vorstellen das gabs ja überall In der Bundesrepublik oder Skal gibt es auch heute noch in bestimmten Firmenkantinen, aber da war eigentlich schon das Ideal der glassenlosigen Gesellschaft die das dann so gelebt haben.

00:21:37: Ja und interessanterweise ich habe jetzt auch bei den arbeitenden vor der, vor der Ausgabe habe ich keine Frau so direkt wahrgenommen.

00:21:48: Also das war schon eine reine Männerdomäne in dieser Werft die dann da auch zum Mittagessen strömte.

00:21:55: also ich hab da dem Ganzen Tobel, Jubel und Sturm.

00:22:01: aufs Essen oder auf die Ausgaben habe Ich keine Frau wahrgenommen außer eben die dafür gesorgt haben dass es Essen gibt und Das fand ich auch interessant weil ja weil da scheinbar tatsächlich dann mehrheitlich klar die harte körperliche Arbeit, aber dass es da irgendwo auch wenig in der Verwaltung scheinbaren Frauen gab, die da irgendwas gemacht haben.

00:22:27: Also das ist mir da auch noch im Gedächtnis geblieben.

00:22:31: und wie gesagt auch was du gesagt hast diese Solidarität dieses gemeinsame Dass man zwar hart arbeitet an aber auch mal Spaß haben kann und sich da gegenseitig stützt.

00:22:43: Das ist auch genau in dieser Maschinerie, in diesem Strukturierten was ja in der Großküche egal kann eine Sterneküche sein vorhanden ist.

00:22:57: das sollte eigentlich halt auch genauso etwas nicht zu kurz kommt damit die Arbeitsatmosphäre damit auch diese Gemeinschaft viel stärker miteinander Funktioniert und letzten Endes geht es ja dann auch einfacher, wenn da am Fließband bestimmte Dinge produziert werden.

00:23:16: Ob Frikadellen, Super und...

00:23:20: Ich würde an dem Punkt sogar sagen ich habe den Film immer wieder auch zu anderen Filmen die wir gesehen haben in Beziehung gesetzt.

00:23:26: Es ist auch so ein Kontrapunkt gewesen zu der Dokumentation mit dem Zen-Meister den wir gesehen hatten also mit Bernie Gassmann, welchen richtig erinnere hieß der?

00:23:37: Also Der macht ja auch eine sehr bodenständige Form und hat ja auch so Sachen wie das Geschirrspülen ins Zentrum gestellt, seiner Küchenpraxis.

00:23:47: Aber es ist dann eben bei Bernie Gessmann war's dieser Invalismus, diese Form der spirituellen Sinn-Suche die da eine Rolle spielte, der Einzelne, der im Zentrum dieser Philosophie stand, auch wenn er sich in der Umwelt gesehen hat.

00:24:04: Und das sind hier Sachen, die finden hier keinen... Wir sehen hier zum Beispiel gar keinen spirituellen Komponent, dass es wirklich raus subtrahiert.

00:24:14: Es ist eine rein materialistische Perspektive.

00:24:17: Es gibt irgendwie keine Entfaltung des Individuums, es gibt noch so individuelle Dinge die Leute machen und Personen unterscheiden sich schon in so Kleinigkeiten, am Pausentisch, die andere sinken vor dem Schrank, eine andere rauchen.

00:24:34: Das sind also so Kleinigkeiten, die die Person natürlich nicht als Kopien darstellen lassen, sondern schon als Individuen.

00:24:40: aber es findet nämlich kein so großer Invalidierungsprozess statt wie wir das bei Bernie gesehen haben und auch in das Abwaschen am Ende hier.

00:24:46: Das ist eben nicht jeder Kratzer des Universums vom Teller ab und denkt dabei drüber nach, sondern dass jetzt hier so eine Maschinen-Tätigkeit.

00:24:55: Da musste auch jemand sitzen, das einräumen und andere räumt das Besteck dann raus.

00:24:59: aber auch das ist eben so eine Routine-Tältigkeit.

00:25:01: Und die Küche selbst fand ich dann natürlich bemerkenswert in ihrer Art des Räumlichen.

00:25:10: Also da die Küchen nicht nur diese großen Gegenstände Diese großen Werkzeuge sondern es ist wirklich eine Großküche und zwar auch dem Raum nach.

00:25:21: Also viel Platz, es ist alles sehr weiß.

00:25:24: Es gibt eben auch diese großen Maschinen und da lacht ich auch dann an diesen Filmen der Koch der Dieb oder seine Frau der Liebhaber wo wir in einer ganz andere Küche gesehen haben Diese alchemistische, dieser handwerkliche Küche, diese farbinzensive Küche.

00:25:37: Und hier haben wir diese ganz weisse sterile Küche die auch auf eine Art und Weise für uns geheimnisvoll wirkt weil wir eben so wenig Zugang drin haben ein haben diese Maschinenräume Und auch die Art, wie diese Abläufe stattfinden natürlich auch faszinierend sind und auch so ein bisschen aus der modernen Kultur herausgefallen wirken.

00:25:58: Aus der Kultur, die wir haben wollen.

00:26:01: Aber sie hat eben auch ihre geheimnisvolle Komponente Die aber ganz zum Kontrast zu diesem Genieküchen steht Zu diesen Fantasie-Küchen Zu den Küchen des Ausprobiers oder Hochküche ist ja natürlich auch was anderes und du hast das irgendwie ganz gut beschrieben, auch an den Essenden die da hinkommen.

00:26:22: Was das für Personen sind?

00:26:23: Ich glaube ich habe eine einzige Frau wahrgenommen in dieser Masse von Werktätigen wenn ich sie richtig eingeordnet habe.

00:26:30: aber du hast völlig recht.

00:26:31: also es stehen eigentlich so gut nur Männer an und sitzt doch nur Männer zusammen und das ist ja auch eine interessante Gastkultur die da ist.

00:26:41: Es wird an einer Stelle auch thematisiert dass manche Manche sich bedanken fürs Essen, aber es wird gleich gesagt, ja, aber wenige.

00:26:51: Ich besteht auch nicht die Idee, dass da irgendwelche Höflichkeitsfloschen rausgetauscht werden.

00:26:56: Selbst das ist rausgestrichen, sondern man arbeitet da hart und hat einen Anspruch auf ein anständiges Essen.

00:27:04: Und das holt man sich ab.

00:27:06: Auch wie bei den Geschwack des Essens gesprochen wird, da gibt's eine weitere Szene, zehn, zwei Arbeiter da rum und warten aufs Essen filmende aus dem off schmeckt es denn hier auch?

00:27:17: und dann sagt der eine irgendwie sowas wie ja geht schon ja und das war's also dass ist so kulinarisch gestatorisch alles was dazu gesagt wird.

00:27:27: also es bleibt dabei.

00:27:29: es ist so ne ja ne alltagsroutine küche wo der geschmack wichtig ist, dass es irgendwie anschlussfähig ist also dass es zumindest nicht schmeckt.

00:27:39: aber über geschmacks über genuss wird eigentlich In dem Film nicht gesprochen, das ist nichts was in der Erzählung irgendwie eine größere Rolle spielt.

00:27:51: Man kann sich noch vorstellen dass die Nachtische die abgefüllt werden in so kleine Becher Das die da zu dienen weil man das weiß So einen kleinen Genuss Kick am Ende des Menüs zu bringen und das Bulletten halt besser schmecken als Zwiebergscheiben.

00:28:07: Aber zum Thema gemacht wird Geschmack-Genuss nie Sondern.

00:28:12: es geht wirklich um Versorgung

00:28:14: Ja, genau.

00:28:15: Also der Treibstoff ich hatte eben auch gesagt also das ist schon das wesentliche Nahrungsaufnahme damit man satt wird und dann ab wieder an die Arbeit zur nächsten Schicht was du jetzt auch so sagt es im Vergleich zu anderen Filmen ja es bleibt trotzdem irgendwie sowas mystisches in diesen Räumlichkeiten übrig.

00:28:35: Ich habe zuerst gar nicht so richtig Das wahrgenommen, als es da in Richtung Ausgabe ging wie jetzt was das für ein Raum ist.

00:28:46: Also dahin gefahren sind mit den einzelnen Gerichten die sie dann da in die Barmaris also diese Wabenhaltegefäße eingefüllt haben.

00:28:56: ich habe erst paar Minuten gebraucht um zu kapieren ah so!

00:29:00: Das ist jetzt die Ausgabewut Entsprechend Essen übernommen werden, weil dieses Gewusel also erstmal alles irgendwie da an anschaffen.

00:29:11: Dann da einsortieren dann das gewusel und eben dann die ja die Speisung quasi dass jeder das hat wurde.

00:29:21: Also das hat diese dieser Raum der hat mich da schon irgendwie zuerst mal bisschen fragen zurückgelassen bis ich dann verstanden habe ok Das ist jetzt der Ausgabebereich, weil da halt ganz anders so ganz anders war.

00:29:37: Und was halt auch durchgängig ist dass es sehr laut ist ja man ist mitten drin eigentlich was ja auch für eine Dokumentation klar nicht unbedingt immer üblich ist das es da wirklich sehr sehr laut umher geht und Man hört die Klappern der Tabletz, also gerade dann dort wenn es da losgeht wegen Essen Portionierende ausgeben und aber auch schon vorher beim Kochen.

00:30:06: Das ist jetzt auch nicht gerade leise Rauschen des Wassers zwischen den Brädern völlig dabei, man spürt und riecht's förmlich diesen Küchendunst.

00:30:21: Und es ist schon ganz spannend gemacht ja dass man da einfach mittendrin sich fühlt und so mitbekommt wie das eben dort in dieser Neptune werft dann tatsächlich Mittags bei Mittagessen von Statten gehen musste.

00:30:40: Ja was du Was du eben auch so gesagt hast, die Frauen ja da möchte ich gerade nochmal einen Punkt aufgreifen.

00:30:50: Die hatten ja trotzdem auch irgendwo, dass sie da so arbeiten mussten.

00:30:54: So hart und dann vielleicht noch so hin- und wieder mal angegraben oder angebackert worden sind und eben kein... nicht oftmals irgendwie so ein Danker oder sowas gehört haben, hatten trotzdem deine Bewürde weil manche haben sich ja dann doch vor der Essensausgabe schnell hübsch gemacht und so.

00:31:10: also das fand ich ja auch sehr interessant, dass dann plötzlich nach dem harten Arbeiten bevor es zur Essens Ausgabe ging eben dann nochmal draufgeguckt wird, wie sehe ich da auch aus?

00:31:23: Vielleicht war das eine gute Kennenlernbörse.

00:31:28: Er hat arbeitende Werftarbeiter und jede Menge Frauen in der Küche.

00:31:34: Da hat man vielleicht dann den Traummann seines Lebens kennengelernt!

00:31:40: Wenn man nicht beleicht, ne?

00:31:41: Du hast eben auch gesagt von wegen Burning Glass Man und Zen des Spülens so ungefähr hier an der Spümaschine stand.

00:31:51: Weil das war ja schon auch richtige Akkordarbeit am Fließband dieses abkratzen von Essensrät-Resten und alles was dazugehört und natürlich auch irgendwie eine Sysifose Arbeit weil das was da gereinigt worden ist wird ja sowieso dann auch wieder schnell dreckig gemacht.

00:32:08: Also es ist schon ein endloser Kreislauf, der dort ja auch in dieser Küche gezeigt wird von Anfang an, ja?

00:32:13: Es wird Essen gekocht, es wird das Essen rausgegeben, das Essen wird gegessen und dann kommt wieder alles oder es kommt noch Dinge zurück, da wird alles wieder sauber gemacht.

00:32:22: Das wird am Ende nochmal alles geputzt und dann geht er der ganze Kladderadatsch wieder von vorne los also es irgendwie ja auch etwas... Oder der Arbeitsalltag wirkt sehr monoton, aber er wird... Du hast es ja auch erwähnt immer wieder unterbrochen durch bestimmte Dinge.

00:32:44: Sei es jetzt durch die Lieder oder halt auch in der Pause wo jeder auch individuell ein bisschen individueller unterwegs ist als dann halt in dieser Gleichförmigkeit.

00:32:54: Ja das sind zwei Sachen gesagt sich doch auf Sparren finden.

00:32:57: Genau!

00:32:57: Die Frauen machen sich vor der Essensausgabe nochmal so'n bisschen schick, genauso wie du es beschrieben hast.

00:33:03: Also die Haare werden noch mal gerichtet das Häubchen wird gesetzt und ich glaube nicht dass das eine Partnerschaftsspause gewesen ist als ihr erst ausgegeben bist.

00:33:12: also da war ja so ein großer Andrang und es ist alles so viel was gemacht haben muss... Das ist wirklich ne Mascherie!

00:33:19: Ich glaube es passiert und die Männer waren auch wirklich fand ich auch Also Nordisch plus Mühle von der Arbeit, also da wie man sich so im Internet real heutzutage Stereotyp ein nordisches Flauten vorstellen könnte.

00:33:32: Ich habe das nicht erkannt und es ist auf gar keinen Fall irgendwie so wie bei La Cocina dass auch nur ansatzweise sich so ein Drama, Liebesdrama, emotionales Drama ... ich kann mir nicht vorstellen, dass da jemand im Fleischraum schnell kickey schiebt, so hektisch.

00:33:50: Hätte es nicht gegeben da!

00:33:52: Aber genau wie du beschrieben hast... Richtig beschrieben Es gibt diese kleinen Momente wo man sich noch mal hübscht macht das Individuum versucht sich gegen die Maschinerie, gegen die Routine nochmal selbst bisschen zumindest hervorzubringen.

00:34:04: Also selber sich ein bisschen zu zeigen und dass auch die Gruppsmaschinerien die Schaff ist nicht und das Individium völlig rauszubringend aus den Menschen.

00:34:13: Und das andere, was du gesagt hast und das würde ich auf jeden Fall nur mal unterstreichen.

00:34:17: Die Geräuschkulisse.

00:34:18: Ja, das ist mir auch aufgefallen.

00:34:19: Also manchmal waren die Fragen... ...und die Antworten der Leute gar nicht zu verstehen.

00:34:23: Auch der Filmemachende musste noch mal nachhaken weil er es nicht verstanden hat.

00:34:27: Weil da war eine Lautstärke von den Maschinen, von dem Geklapper und so unglaublich ja.

00:34:33: Das ist aufgefallen!

00:34:33: Und das mystische, deswegen kam hier mich drauf an den Dieb und den Koch um mich zu ändern in diese Küche dass sich auch die ganze Zeit gedampft hat während des Kochens.

00:34:42: also Auch diese Nebel war aber da herum.

00:34:44: Und bei der Essensausgabe, da war ich kurz am Belegen es wird ja auf dieses Tabletz ausgegeben Es gibt gar keinen Gedäck, es gibt gar kein Teller.

00:34:55: Sondern es gibt wirklich diese portionierten Tablets.

00:34:59: und ich habe mich gefragt Gibt das das eigentlich heute noch?

00:35:02: Ich weiß dass als ich damals in meinem Grundstudium war In der Uni in der Mensa Da gab's auch diese portionierte Tabletze hat man direkt vom Tablett gegessen.

00:35:10: Und wenn ich mich jetzt an meine letzten Ess-Erlebnisse erinnere, auch an den Unis, an denen ich war.

00:35:15: Da gab es immer Teller und das wäre so eine Überlegung von mir.

00:35:19: Gibt es da eine Fortführung der Esskultur?

00:35:24: Also in der Massenverpflegung muss es irgendwie gedecken.

00:35:29: oder ist es nur durch meine subjektive Auswahl der Orte so weil diese Tablets sind wir schon länger nicht mehr begegnet und das eigentlich auch immer sehr praktisch.

00:35:37: Das passt einfach auch in die Szene rein Aber es ist natürlich auch nicht bürgerlich.

00:35:43: Auch das ist mir jetzt Zeichen so Arbeiterkultur, sozialistisch ja!

00:35:47: Es muss einfach total funktional sein.

00:35:50: praktisch keine Spirenzchen drei Komponenten Tablet also auch super Kohlenhydrate Gemüse Proteine können da drauf liegen und dann wird es nachher weggespült warum?

00:35:59: Also Teller gibt's nur Irgendwie vielleicht beim Stammessen oder... Es gab ja so Spülmaschinen, da haben sie schon Teller reingeräumt.

00:36:06: Ich frage mich jetzt wo die her kamen?

00:36:07: Weil das Essen wurde nicht auf Tellern ausgegeben.

00:36:09: Würde mich interessieren ob es das eigentlich in Großküchen heutzutage noch gibt oder ob das auch da schon als Frevel an der Esskultur angesehen wird.

00:36:16: Ich glaube nicht.

00:36:17: also ich habe es noch nie war.

00:36:18: Also ich war noch nie irgendwo, wo direkt auf dem Tablett oder ins Tablett serviert worden ist.

00:36:26: selbst in meinen Mensen, wo ich irgendwie mal gegessen hab Gab's immer irgendwie Teller, aber ja das ist schon auch was Besonderes.

00:36:36: Wenn es schnell gehen muss oder so keine Ahnung ist eigentlich egal.

00:36:43: Hauptsache die Nahrung wird aufgenommen.

00:36:45: da brauche ich keinen Teller.

00:36:46: es muss nicht schön sein Es muss funktional sein.

00:36:50: Ich kann einfach schaufen, ohne großartig noch drauf aufs Geschirr zu achten und umgekehrt genauso funktionell für die, die das nachher sauber machen müssen.

00:37:05: Da geht es scheinbar wirklich nur um die Funktionalität wobei... hinter ddr sehr schöne porzellan manufakturen existiert haben und teilweise auch noch existieren.

00:37:18: also daran soll es nicht gescheitert sein.

00:37:21: Also ja, ist schon interessant was das so passiert?

00:37:26: Es wird jetzt gar nichts romantisiert und wie du auch richtig gesagt hast Genuss steht jetzt hier nicht im Vordergrund, sondern es ist einfach diese Energieaufnahme.

00:37:37: Also so dass wenn man ja so an DDR essen, typisches DDR Essen denkt oder auch gerade nochmal Sushi in Sul bevor er dann anfängt eben japanisch zu kochen, ne?

00:37:46: So ein Würzfleisch Soljanka und sowas.

00:37:50: Ja das sieht man hier also klar kannst du Soljanga oder sowas gewesen sein.

00:37:54: aber das hat alles mir jetzt nicht so den Eindruck gemacht, dass das so die Gerichte sind auf die man sich vielleicht so richtig gefreut hat.

00:38:04: Der Hunger hat es vielleicht oftmals reingetrieben, weil man wusste okay kommen hier ich kriege das wird mir eine Mark abgezogen oder fünfzig Cent abgezogen oder was auch immer und dann esse ich halt.

00:38:18: aus dem brauche ich die Kraft damit ich wieder weiterarbeiten kann.

00:38:21: also rein functionalisiertes Essen und Essensaufnahme romantisch dargestellt, sondern einfach ab mit der Kelle auf dem Gefängnis.

00:38:37: Da kennt man das eigentlich auch.

00:38:38: Also früher, dass es da so portioniert worden ist.

00:38:41: Zack, zack und fertig ist es!

00:38:44: Aber ja... Es ist schon sehr speziell und wie gesagt Essen wird da auch ein bisschen entzaubert und wird halt als was Grundnatürliches dargestellt?

00:38:54: Ja genau ich würde auch sagen, es wird etwas Grundnatürs dargestellt.

00:38:57: Das ist eine funktionale Schichtes haben wir gesagt.

00:39:01: Ich würde fast sagen, die haben jetzt die großen Strukturen besprochen und haben das funktional auch abgearbeitet.

00:39:08: so viele Geheimnisse gibt es bei

00:39:09: dieser

00:39:10: realistischen Dokumentation auch meiner mann gar nicht zu lüften.

00:39:12: ich würde zum Fazit überleiten wenn es ja auch

00:39:16: klar gerne.

00:39:17: also auch wenn der film für mich was völlig anderes gewesen ist zum ersten mal gesehen habe muss ich sagen ich finde gut dass wir ihn gesehen haben.

00:39:26: ich find's gut dass sie besprochen haben Die Küche ist als Film für mich über Essen so interessant, weil er das Kulinarische einmal nicht als Bühne des Genusses der Kunst oder der Selbstfindung zeigt.

00:39:38: Hier ist Küche kein Sehnsuchtort sondern einfach ein Versorgungsapparat.

00:39:41: gekocht wird nicht damit jemand zu sich selbst findet, sondern die Arbeitswelt weiterläuft.

00:39:47: gerade im Vergleich zu Filmen Wie wir jetzt das auch schon besprochen haben, zu diesen Anweisungen für den Koch oder zu der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber wird.

00:39:56: das finde ich ziemlich deutlich.

00:39:57: Dort wird Küche aufgeladen mit Spiritualität, mit Exzess oder mit Ästhetik.

00:40:01: bei Böttcher hier, weil die Küche ist das alles nüchtern es ist kollektiv Es ist funktional.

00:40:07: Auch hier dampft es aber eben nicht als Zeichen Kulinarscharmage sondern als Zeichnen von Arbeit.

00:40:12: Und auch die Essenen könnten verschiedener kaum sein, wir sehen keine distinkuierten Gemäß.

00:40:18: Wir sehen keine asketischen Tugendwächter etwa wie bei Babettes Fest.

00:40:21: Wir sind keine märchenhaften Tafelszenen.

00:40:24: Wir sehn hungrige Arbeiter wortkark pragmatisch auf große Portionen wartend.

00:40:29: Essen erscheint hier nicht als Distinktion sondern Notwendigkeit Nicht als Pühne des Geschmacks Sonst Bedingung der Produktion.

00:40:36: Und trotzdem ist der Film fand ich nicht bloß kalt oder technisch.

00:40:41: Gerade zwischen Kesseln, Schürz und Ausgabewagen tauchen fand ich immer wieder so kleine Momente auf der Scherz, der Blick die vertraute Geste Und ich fand dass der Film das gezeigt hat.

00:40:52: darin liegt auch seine Stärke.

00:40:55: Die Küche zeigt Ernährungsarbeit als etwas das fast immer übersehen wird und ohne das doch nichts läuft.

00:41:02: Das ist nicht die verzauberte Küche des kulinarischen Kinos.

00:41:05: das ist sozusagen ihre Rückseite und gerade deshalb ist es so sehenswert.

00:41:09: Ich habe mich so ein bisschen gefühlt wie in der nostalgischen, geschichtsbewussten Folge von die Sendung mit der Maus.

00:41:17: Und ich würde sagen, der Film ist sehenswert – mit forty-fünf Minuten ist auch keineswegs zu lang!

00:41:24: Kann man sich gut angucken?

00:41:26: Klar kann man jetzt schlecht mit Spielfilmen vergleichen wie wir es immer haben mit Dokumentationen.

00:41:29: aber für eine Dokumention würde ich ihm durchaus drei von vier Gängen geben.

00:41:35: Wie sieht's bei dir aus Johannes?

00:41:36: Ja, also drei von vier Gängen.

00:41:38: Da kann ich mitgehen und das möchte ich jetzt mal gerade so direkt mitgeben.

00:41:46: Wieso?

00:41:47: Weshalb warum?

00:41:48: Also du hast jetzt auch schon sehr vieles genannt.

00:41:50: von dem was sich da auch gesehen habe sind so zwei Dinge es ist genau eben so eine Dokumentation die etwas zeigt was man nicht so einfach sieht.

00:42:04: faszinierendes Zeitdokument der DDR, wie ich finde.

00:42:08: Und auch ein Denkmal für die harte Arbeit dieser Frauen, die im Hintergrund so unsichtbar schuften oder geschuftet haben und die kriegen plötzlich einen Gesicht und kriegen auch eine gewisse Würde in gewissen Stolz dass da so eine Dokumentation über sie getreten wird.

00:42:26: und es ist eben auch dieses schonungslose was jürgen birger hier zeigt.

00:42:30: also du hast ja auch schon gesagt kochen ist nicht eine kunstform hier sondern ist es knallharte knochen harte arbeit damit menschen satt werden und man arbeitet dort.

00:42:43: und genau das zeigt dieser filme zeigt den lern den schweiß die hitze den dampf diese dampfenden kessel die da sind umeben letzten endes alle an der Essensausgabe.

00:42:57: satt werden zu machen.

00:43:02: Und deswegen ist dieser Film so ein bisschen auch wie eine teller dicke Kartoffelsuppe nach eben so einer zwölfstunden Schicht, der Film ist jetzt nicht raffiniert und er sieht auch nicht immer schön aus aber es ehrlich und erwärmt auch irgendwie von innen wenn man das alles so betrachtet und mitbekommt diese kleinen Gesten die kleine Punkte die du auch da aufgeführt hast Und wie ich finde, zeigt er eben auch wer die wahre Macht in dieser Werft hat.

00:43:32: Das sind nicht etwa die Direktoren oder die Vorarbeiter sondern es sind die Frauen an der Essensausgabe.

00:43:38: und wie gesagt deswegen gibt's hier von mir für diese Dokumentation auch drei von vier Gängen.

00:43:53: aus Käse und Interesse gestoßen ist, finde ich toll.

00:43:56: Jetzt würde mich natürlich als letzten Punkt wie immer ganz brennend noch interessieren was wir denn das nächste Mal besprechen werden und das darf es ja diesmal du wieder bestimmen.

00:44:04: Ja Daniel, jetzt haben wir einen Ausflug in die sozialistische Arbeit der Küche gehabt und da brauchen wir doch nochmal so das komplette Gegenstück des absolute Kontrastprogramms.

00:44:21: genau so wie du das Nach den Würstchen gewählt hast, wähle ich es jetzt auch und wir reisen in die Welt der Ottpisin.

00:44:29: Und schauen uns an was passiert wenn ein Sternekoch beschließt?

00:44:38: Was werde denn beschließen?

00:44:39: das ist vielleicht mal noch so ein bisschen das Geheimnis aber wir sprechen über dem Menü.

00:44:47: auf alle Fälle würde ich mal sagen Ja, auf jeden Fall.

00:44:53: herzlichen Dank Daniel auch nochmal hier für den Blick in die Neptune Werft.

00:44:58: Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und ja allen anderen an dieser Stelle danke fürs Zuhören!

00:45:05: Und wie immer manchmal sind die besten Geschichten, die beim gemeinsamen Essen entstehen.

00:45:10: Bis zum nächsten Mal bei Film und Fressen.

00:45:21: Ihr habt diese Folge gefallen, dann teile sie gerne mit anderen und abonniere uns falls noch nicht geschehen.

00:45:27: Wir freuen uns über Bewertungen die helfen uns weiter!

00:45:32: Und dann bis zur nächsten Folge

00:45:34: auf Wiederhören.

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